Review: Ruht das Licht by Maggie Stiefvater

Freitag, 23. September 2011

Description:
Obwohl alles verloren schien, ist Sam zu Grace zurückgekehrt. Er hat den Wolf in sich besiegt und jetzt liegt ein ganzes Leben in seiner Menschengestalt vor ihm. Doch nun ist es Grace, deren Zukunft ungewiss erscheint. Sie, die sich ihrer menschlichen Haut immer so sicher war, hört nachts die Stimmen der Wölfe und weiß: Sie rufen nach ihr.
Wogegen Grace sich mit aller Macht wehrt, wäre Cole hochwillkommen. Cole wünscht sich nur eines: Vergessen. Vergessen, wer er ist. Vergessen, was er getan hat. Die Wolfshaut ist seine Zuflucht. Doch trotz der eisigen Kälte gelingt es ihm nicht, die Wolfsgestalt dauerhaft anzunehmen.
Als Coles Vergangenheit ihn einholt und sich immer mehr neugierige Augen auf die Wölfe richten, muss Sam zusehen, wie seine Welt zerbricht: Das Rudel schwebt in größter Gefahr und Grace hält nur noch die Liebe zu ihm in ihrem menschlichen Leben. Sam ahnt, dass der Wolf in ihr eines Tages siegen wird…

Review:
Es gibt Fortsetzungen, bei denen man es kaum erwarten kann, bis sie endlich erscheinen. Man muss einfach wissen, wie es mit den Charakteren und der Handlung weitergeht und was noch passieren wird. Und dann gibt es Bücher, die nicht nötig gewesen wären. Bei Geschichten, wo auch der erste Teil einer Reihe genug, manchmal sogar mehr gewesen wäre. Genau diesen Eindruck habe ich auch von diesem Buch hier. Die Fortsetzung zu Nach dem Sommer von Maggie Stiefvater war zwar schön zu lesen, aber an sich wäre sie nicht erforderlich gewesen. Zumindest für mich nicht. Gut, die Neugierde war dann doch zu groß, aber ich war mit dem Ende von Teil 1 absolut zufrieden gestellt, hatte mein Happy End bekommen und konnte mir die Zukunft von Grace und Sam herrlich ausmalen. Stattdessen hat meine bereits erwähnte Neugierde gewonnen und  mit ihr einher kam leider auch die Enttäuschung und der Verlust dessen, was in Vorgängerband aufgebaut wurde. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass der letzte Teil der Reihe diesen Eindruck wieder ändert, sonst wäre Nach dem Sommer für mich als Stand-Alone besser geeignet gewesen.

Der Schreibstil in Ruht das Licht ist hundert Prozent Maggie Stiefvater, wie man sie kennt und liebt – ruhig, besonnen, harmonisch, fast schon poetisch, aber diesmal von einer unglaublichen Traurigkeit unterlegt. Jede Sekunde verbrachte ich fast in Erwartung, dass gleich einer der Protagonisten sterben würde, denn warum sonst sollte die Stimmung so gedrückt sein. Während Nach dem Sommer eine warme und freundliche Stimmung schaffte, so bringe ich mit Ruht das Licht eher Wörter wie regnerisch und düster in Verbindung. Positive Erlebnisse sind rar, dafür spielt die Selbstfindung eine wichtige Rolle. Jeder der Protagonisten findet sich in einer neuen und unbekannten Situation wieder, muss erst lernen damit umzugehen und in sie rein zu wachsen. Manche können sich schneller zu Recht finden als andere, aber zum Schluss haben sie ihren Platz gefunden. Die Charaktere verlieren nicht an Überzeugung und Tiefe, sind emotional, wie man sie kennt, verwundbar und aufeinander angewiesen.

Die Geschichte liest sich trotz seiner gedrückten Stimmung sehr gut und flüssig, die Seiten verfliegen nur so, wozu wohl auch recht kurze Kapitel zwischendurch beitragen. Isabel und Cole treten hier viel stärker in den Vordergrund und übernehmen Stück für Stück den Hauptpart und man möchte unbedingt wissen, wie es mit ihnen weitergeht. Während Grace und Sam etwas auf der Stelle treten, ihre Gefühle füreinander sich aber festigen und vertiefen, so bringen die anderen beiden Charaktere die Geschichte voran, liefern neue Kenntnisse und Theorien und fesseln das Interesse der Leser. Personen, die dagegen meine Nerven stark strapazierten waren die Eltern von Grace, die plötzlich in ihr Leben eingreifen wollten. Dieser Wandel in ihnen war für mich nicht nachvollziehbar und stand für mich auch in keiner Weise zur Geschichte selbst. Dieser Handlungsstrang war fast schon unwichtig (zumindest jetzt noch, vielleicht hat er ja noch Auswirkungen auf den 3. Teil der Reihe) und das Einzige, das damit erreicht wurde war eine Erleichterung für Grace loszulassen und sich zu entscheiden.
Während Nach dem Sommer so voll von Vertrauen, Wärme, Liebe und Glück war, so war Ruht das Licht das genaue Gegenteil. Geprägt von Kälte, Angst, Trauer und Verlust, so hat es all die negativen Gefühle hervorgerufen, von denen vorher nichts zu spüren war. Stellenweise konnte ich die Tränen kaum zurück halten, wollte einfach nicht mehr weiter lesen, weil ich mich fürchtete, dass mir mein Happy End zerstört wurde, das ich doch schon hatte und ein paar Szenen, die sich vom Rest des Buches stark abhoben, hatten sogar einen noch stärkeren, fast schon erschreckenden Einfluss auf mich. Diese Szenen zeigten uns aber auch eine weitere Seite der Autorin, die auf ganz andere Art und Weise unter die Haut gehen kann.

So deprimiert, wie mich dieses Buch gemacht hat, stelle ich mir die Frage, ob ich es mit Band #1 nicht hätte gut lassen sein sollen, wie es mir einige Bloggerfreunde empfohlen hatten. Denn dieser erste Teil der Reihe war in jeder Hinsicht perfekt und als ich den Buchrücken schloss so war ich zufrieden und fühlte mich absolut wohl. Jetzt nach Ruht das Licht tritt das genaue Gegenteil ein. Ich bin traurig, erschöpft und zermürbt, möchte mich in die Sonne legen und Energie tanken. Nach dem Vorgängerband stellte sich mir noch die Frage, ob ich weiter lesen sollte oder nicht, jetzt hat sich das erübrigt, denn ich kann die Charaktere, die ich nun schon lieb gewonnen habe nicht ohne ein Happy End zurücklassen. Das haben wir uns wirklich alle mehr als nur verdient.

Eine kleine Warnung möchte ich noch an jene Leser aussprechen, die absolut keine Cliffhanger mögen. Diese sollten lieber noch bis zum Erscheinen des dritten Teils der Reihe warten um Ruht das Licht zu lesen, denn ihr werdet sonst nur wenig glücklich und furchtbar ungeduldig sein. So, Vorwarnung ist ausgesprochen und ich überlege mir, ob ich nicht doch schon jetzt auf den englischen finalen Teil zurückgreifen sollte um die Reihe abzuschließen. Erwähnen möchte ich zum Schluss noch das abermals fantastische Cover, die vielen schönen Details und die tolle Arbeit des Verlages, die sich in der liebevollen Gestaltung zeigte. Darüber freut sich jedes Leserherz und macht so manches Buch zu einem besonderen Lesevergnügen.

Rating: B-

Vielen ♥-lichen Dank an den Script5 Verlag und Fangtasya für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Buchinfos:
Hardcover, 400 Seiten
Published by Script5 Verlag, September 2011
ISBN 9783839001189
Series: The Wolves of Mercy Fall #2 (OT: Linger)

Inhalt und Cover © Homepage der Autorin.

Kommentare:

  1. Hey du Liebe! Mir gefiel's super. Aber du gibst meine Gefühle exakt wieder. Ich war nach Beendigung richtig erschöpft (auch vom heftigsten weinen) und zermürbt. Alles erschien mir grau, aber doch mit einem Hoffnungsschimmer. Bin mir aber nicht sicher, ob wir unser erwünschtes Happy End im letzten Teil bekommen. Ich weiss zwar nichts, kein bisschen, aber Leser vom englischen "Forever" klagen teilweise etwas über das Ende. Oh Mann, jetzt bin ich schon wieder ganz in Gedanken :-( Trotzdem hat Ruht das Licht zusammen mit Nach dem Sommer bei mir Lieblingsbuchstatus.
    LG,
    Damaris

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  2. bin deine Neue Leserin Schau mal bei mir vorbei!
    http://angiibuchlounge.blogspot.com

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  3. Yeah, endlich jemand, der Graces Eltern auch total seltsam fand :D Ich konnte deren aufstand überhaupt nicht nachvollziehen, zum einen weil Grace bald 18 ist und zum anderen, weil es sie ja auch vorher nicht interessiert hat.

    Allerdings ohne sie wäre die Handlung doch ein bisschen lahmer gewesen.

    Na ja, tolle Rezi und kann dir eigentlich nur zustimmen, mit dem was du schreibst :)

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  4. @Damaris: vom Schreibstil her bleibt die Autorin auch eine meiner Liebsten, aber ich kann es nur schwer verkraften, wenn es kein HEA für die Protagonisten gibt. Und ganz ehrlich? Ich habe mich noch nicht getraut bei den englischen Reviews nachzulesen, was in Band 3 geschieht und ob die beiden noch eine Möglichkeit für sich finden. Ich möchte mir den kleinen Hoffnungsschimmer, den ich grade noch habe nicht loslassen, falls der schlimmste Fall eintreten sollte...

    @Angii: ich werde dir gerne mal einen Besuch abstatten ;)

    @Lena: boa, ihre Eltern waren wirklich mehr als nur anstrengend und da fühlte ich mich oft so provoziert von denen... man könnte ja auch vermuten, dass sie gerade deshalb auf diese Art in die Geschichte eingebaut wurden - um mehr Spannung aufzubringen. Aber für mich fehlte da einfach die Basis. Ich drücke uns mal die Daumen, dass sie uns im letzten Teil der Reihe nicht mehr oft über den Weg laufen ;)
    liebe Grüße

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