Review: Totentöchter. Die dritte Generation by Lauren DeStefano

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Description:
Rhine ist sechzehn Jahre alt – und wird in vier Jahren sterben. Ein missratenes Genexperiment hat katastrophale Folgen für die Menschheit: Frauen leben nur bis zum zwanzigsten, Männer bis zum fünfundzwanzigsten Lebensjahr. In dieser Welt ist nicht ungewöhnlich, was Rhine passiert: Sie wird entführt und mit dem reichen »Hauswalter« Linden in eine polygame Ehe gezwungen, um möglichst schnell Nachkommen zu zeugen. Rhine präsentiert sich eine glitzernde Welt voller Luxus und Reichtum – eine Welt ohne Freiheit. Gemeinsam mit dem Diener Gabriel plant Rhine ihre Flucht, bevor es zu spät ist…

Review:
Totentöchter. Die dritte Generation von Lauren DeStefano wird viele Leser überraschen. In welche Richtung diese Überraschung gehen wird bleibt jedoch abzuwarten und jeder muss ganz individuell entscheiden, ob sie ihm gefällt oder eher nicht. Ich hatte mir unter dieser Geschichte zwar etwas anderes vorgestellt, aber die Autorin schafft es auf ihre besondere Weise auch so mich in ihren Bann zu ziehen und hat hier eine durchaus schöne Geschichte zu erschaffen. Um aber eines von vornherin klar zu stellen: wer hier eine fröhliche oder gelockerte Stimmung sucht, der wird von Anfang an enttäuscht werden. Vielmehr wird man hier mit negativen Gefühlen, Trauer, Hass, Gleichgültigkeit und Angst konfrontiert. Diese Gefühlsebene bleibt über die gesamte Geschichte erhalten, es gibt selten Ausbrüche oder Momente, in denen wir echte und nicht nur vorgetäuschte Freude miterleben dürfen. Das Buch selbst ist ein ständiges Warten, dass etwas passiert. Einfühlen konnte ich mich nur in Rhine, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird. Mit den anderen Protagonisten verband mich kaum etwas, sie waren zwar da, aber ihr Fehlen wäre nicht groß bemerkbar gewesen, weil auch die Charaktere selbst die Toten mehr verdrängen, als sich an sie zu erinnern. Einzig Rhine erinnert sich bewusst an sie, dementsprechend viele traurige Szenen erlebt man auch mit. An Handlung selbst hat die Geschichte wenig zu bieten - alles dreht sich um Rhines Flucht und von ihren Gefühlen gegenüber Hauswalter Linden und dessen Vater, den Hausprinzipal. Leider beschäftigten mich während des Lesens mehr Fragen und so konnte mich das Buch nicht auf die Art und Weise mitreißen, die ich mir gewünscht hätte.

Überhaupt verstand ich so manche Einstellung der Protagonisten nicht und hätte mir hier gerne mehr Einsichten gewünscht. So zum Beispiel blieb für mich bis zum Schluss die Frage, warum Linden sich überhaupt zu Rhine hingezogen fühlte oder ob es nicht nur Pflichtbewusstsein war, das er aber anders hätte ausdrücken müssen. Rhines Verhalten blieb ebenso geheimnisvoll, zwar wurde erklärt warum sie sich so verhält, wie sie es tut, aber wieso sie von Anfang an so ruhig blieb und nie den Versuch wagte Linden die Wahrheit über ihre Herkunft zu sagen, verstand ich nicht. Wäre offene Rebellion nicht an mancher Stelle besser geeignet gewesen, als eine gute Miene zum bösen Spiel aufzusetzen und dem Leser damit stellenweise zu vermitteln, dass sie sich mit ihrem Schicksal abgefunden zu haben scheint. Die Tatsache, dass Linden an der ganzen Aktion zu Beginn des Buches nicht beteiligt zu sein und nichts von den Vorgängen im Keller seines Hauses zu wissen schien, kam mir schon verdächtig vor. Wie kann man so blind sein und die Taten des eigenen Vaters einfach so hinnehmen ohne sie zu hinterfragen, vor allem, wenn es auch im die Frau geht, die man über alles liebt? Das waren Momente, die ihn mir nicht sympathischer machten, sondern ihn schwach und als Marionette darstellten. Der Diener Gabriel hatte in der ersten Hälfte noch eine bedeutende Rolle eingenommen, leider habe ich ihn in der zweiten Hälfte schmerzlich vermisst, ebenso die Gespräche mit ihm und seine Handlungen, die zeigten, dass Rhine  nicht alleine ist. Er war ihr Anker in dieser neuen Welt und dass er erst zum Schluss hin wieder vermehrt in Erscheinung trat hat die Kapitel davor noch länger erscheinen lassen.

Was das Buch für mich dann aber wieder sehr spannend gemacht hat, war die Grundidee dieser Dystopie. Nämlich die Tatsache, dass Menschen ein ‚Ablaufdatum‘ haben, Frauen sterben mit 20, Männer mit 25 Jahren ohne daran etwas ändern zu können. Genetische Veränderungen am Menschen, die Generationen vorher unternommen wurden haben diese negative Entwicklung herbeigeführt und nun muss jeder um die wenigen Jahre, die ihm bleiben kämpfen. Was also macht man aus der Zeit, die einem bleibt und mit wem möchte man sie verbringen. Das sind die Grundfragen des Buches. Daneben gibt es Ansätze um ein Heilmittel zu finden, die Forschungen hier sind jedoch noch nicht weit gediegen, soweit man das als Leser erfährt. Es wäre aber wünschenswert und sicherlich sehr interessant in der Fortsetzung weitere Informationen zu diesem Aspekt zu erhalten.

An sich ist Totentöchter. Die dritte Generation ein sehr trauriges Buch mit gedrückter Stimmung und mit einem gleich bleibendem Erzähllevel. Gefühlsachterbahnen können nicht erwartet werden, vielmehr schleicht sich ein Trott ein. Zur Covergestaltung ist noch zu sagen, dass ich es toll finde, dass das Originalcover weitestgehend übernommen wurde. Teil 2 der Reihe erscheint im Februar 2012 im Original, Teil 3 soll 2013 folgen, was für uns natürlich noch eine lange Wartezeit darstellt. Weiterlesen möchte ich die Reihe auf jeden Fall, denn dafür war das an sich zwar abgeschlossene Ende doch zu verführerisch und mit so manchen Versprechen hinterlegt.

Rating: C+

Vielen ♥-lichen Dank an den cbt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Buchinfos:
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 400 Seiten
Published by cbt Verlag, September 2011
ISBN 9783570161289
Series: The Chemical Garden #1 (OT: Wither)

Inhalt und Cover © cbt Verlag.

Kommentare:

  1. Hm, da bin ich dann mal gespannt. Habe das Buch hier liegen und das Cover ist einfach wunderschön. Aber traurige Bücher mag ich gern. :D

    Liebe Grüße,
    Nazurka

    AntwortenLöschen
  2. Huhu Nazurka,

    ach mit traurigen Büchern ist das bei mir immer so ne Sache, da muss die Stimmung einfach passen, sonst ziehen sie mich zu sehr runter und begeistern wenig...
    Ich wünsch dir viel Spaß beim Lesen und bin neugierig, wie dir die Geschichte gefallen wird, da du ja schon ganz anders ans Lesen rangehts :) freu mich bereits jetzt auf die Rezension dazu.

    liebe Grüße

    AntwortenLöschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.