Review: Kuss des Tigers by Colleen Houck

Dienstag, 14. Februar 2012

Description:
Nie im Leben hätte die achtzehnjährige Kelsey Hayes gedacht, dass sie einmal nach Indien reisen würde. Und schon gar nicht mit einem Tiger als Reisegefährten! Doch ihr Ferienjob im Zirkus Maurizio verändert ihr Leben ein für alle Mal, denn dort begegnet sie Ren, dem majestätischen weißen Tiger. Sofort spürt Kelsey, dass zwischen ihr und dem Tiger eine ganz besondere Verbindung besteht. Als sie gebeten wird, Ren nach Indien zu bringen, um ihn dort auszuwildern, zögert sie keine Sekunde, ihren Schützling zu begleiten. In dem fremden Land angekommen, erfährt sie, dass Ren ein tragisches Geheimnis verbirgt: Er ist ein verwunschener indischer Prinz, der einst von einem mächtigen Magier dazu verdammt wurde, sein Leben als Tiger zu verbringen. Im Laufe der Zeit hat er die Hoffnung aufgegeben, jemals Erlösung zu finden – bis er in Kelsey das Mädchen kennen lernt, das hinter die Fassade der wilden Bestie zu blicken vermag. Doch finstere Mächte wollen Rens Befreiung verhindern. Wird die Liebe Kelseys zu ihrem Tigerprinzen ausreichen, um Ren zu helfen?

Review:
Der Hype um diese Reihe hat mich erst auf dieses Buch aufmerksam gemacht, das Original hatte ich schon lange im Auge und nicht selten stand ich kurz davor mir das englische Buch zu kaufen. Der Hype schien dann auch auf die Übersetzung überzugreifen und damit stand für mich endgültig klar, dass ich Kuss des Tigers unbedingt die Chance geben wollte mich zu begeistern und für sich einzunehmen. Zu Beginn hatte ich ein paar Probleme in die Geschichte hineinzufinden und ich konnte mich über die ersten Kapitel hinweg mit der Protagonistin nicht anfreunden. Die Grundstimmung ist sehr ruhig und gemäßigt, spontane Gefühlsausbrüche gibt es nur wenige und so kam es, dass mich die Stimmung nicht sofort für sich einnehmen konnte. Das Buch braucht seine Anlaufzeit, wir werden den Charakteren nur langsam näher gebracht und da es keinen Perspektivenwechsel gibt, lernen wir Neues nur mit Kelsey kennen, aber darüber hinaus nichts. Stellenweise wirkte das Buch fast schon kindlich auf mich und die Handlung ging lange Zeit sehr gemächlich dahin. Erst mit dem Eintreffen in Indien und dem ersten Kontakt mit dem Dschungel dort nimmt die Geschichte an Spannung und Geschwindigkeit zu. Dafür konnte sie mich ab hier fesseln und gerade während der rasanten Szenen wollte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Zum Schluss gab es leider wieder einen kleinen Dämpfer, aber dazu gleich mehr.

Die Grundidee gefällt mir sehr gut, zum einen haben wir hier indische Mythen, die ich in diesem Umfang noch bei keiner anderen Reihe gefunden habe und die eine gerne gesehene Abwechslung darstellen. Zum anderen sehen wir uns hier einem Fluch gegenüber, der zwei unserer Protagonisten zwingt den Großteil ihres Lebens als Tiger zu verbringen. Für lange Zeit waren ihnen sogar die 24 Minuten Mensch-Sein täglich nicht vergönnt und erst durch Kelsey ist es ihnen wieder möglich ihre menschliche Gestalt anzunehmen. Des Weiteren konzentriert sich die Autorin auf wenige Charaktere und erschlägt den Leser nicht mit Nebencharakteren, die kaum Einfluss auf die Handlung nehmen. Sie nutzt hier die Möglichkeit aus, sich auf die Hauptprotagonisten zu konzentrieren und uns deren Vergangenheit und Entwicklung zu zeigen.

Colleen Houck versteht sich darauf ihre Welt den Lesern nahe zu bringen. Sie beschreibt sehr detailliert, teilweise vielleicht schon zu detailliert (die Farbe von Kelseys Haarband zum Beispiel hatte für mich nun wirklich nicht diese Wichtigkeit, dass man es immer wieder erwähnen müsste), das Land, die Wildnis, die Leute und auch die Kultur. Mythologie spielt in dieser Serie eine große Rolle und nimmt dementsprechend viel Raum ein. Mythen wollen erklärt und verständlich gemacht, Gottheiten sollen vorgestellt und der Leser mit dieser neuen Aspekt vertraut gemacht werden. Genau das ist der Autorin sehr gut gelungen und sie bringt ihren Lesern eine neue Welt entgegen. Dabei versäumt sie es auch nicht auf die Geschichte des Landes einzugehen, leider können diese Erklärungen auch mal Überhand nehmen. An und für sich sind sie sehr interessant und es hat mich fasziniert über diese Mythen zu lesen und darüber nachzudenken, dennoch bleibt dabei nicht aus, dass sie der Geschichte an Spannung nehmen und sie verlangsamen. Es gibt viele rasante, Nervenstrapazierende und Gänsehaut verursachende Szenen, die kaum fesselnder geschrieben sein könnten und man hat das Gefühl mit den Charakteren mitten in der Wildnis zu stehen und diese Landschaft kennen zu lernen. Aber eben diese Momente werden von ruhigen Szenen abgelöst und nicht wenige Male hätte ich mir gewünscht, dass es mit der Handlung an sich weiter geht. 

Doch leider gab es ein paar Punkte, die für mich nicht wirklich verständlich gemacht werden konnten. So konnte ich mir zum Beispiel nicht vorstellen warum eine 18-Jährige einfach so auf gut Glück mit Fremden verreisen sollte oder möchte. Es gab hier kaum eine Sekunde des Zögerns oder Überlegens, Kelsey hat sich vielmehr sehr spontan dazu entschlossen. Dazu kommt, dass ihr Vormund sie auch gehen lässt. Deren Verhalten hat mich schon gewundert, als Kelsey eben mal so für zwei Wochen in den Zirkus umsiedelte. Für mich ist einfach nicht verständlich, welche Rolle ihr Vormund überhaupt einnehmen sollte. Es könnte natürlich sein, dass er in zukünftigen Büchern mehr Wichtigkeit erhält, hier hatte ich das Gefühl, er wäre nur anstandshalber erwähnt, eine richtige Bindung scheint Kelsey ja nicht zu ihnen zu haben. Gewünscht hätte ich mir auch Szenen aus Rens Sicht. Seine Gefangenschaft muss doch auch auf sein Denken Auswirkungen gehabt haben und ich hätte ihn gerne näher kennen gelernt. Was er denkt, wie er fühlt und wie er sich dieser neuen Situation gegenüber sieht. Kelseys Sichtweise war zwar sehr interessant, aber man erhält dadurch  nicht diesen Einblick in Ren, wie es andererseits möglich gewesen wäre.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die angedeutete Dreiecksbeziehung, von der ich nicht weiß, was sie in dieser Geschichte zu suchen haben soll. Kelsey und Ren haben sich einander zögerlich und sanft genähert. Ich mochte dieses langsame Vorantaste und Vertrauen fassen. Und obwohl ich Kelseys Verhalten teilweise irritierend fand – dem Tiger gegenüber verhält sie sich schon nach kurzer Zeit so zutraulich und vertraut, während sie große Probleme für den Mann dahinter ähnliche Gefühle aufzubringen oder ihn zu berühren – führte ihr Weg sie immer zu Ren hin. Und plötzlich kommt hier der Wandel, der für mich nicht nachvollziehbar war. Warum stößt sie ihn nun von sich? Wovor hat sie Angst? Und warum gelten diese Gründe nicht auch Rens Bruder gegenüber, bei dem sie solche Bedenken (noch) nicht zu haben scheint? Das sind Aspekte, die ich zur Abwechslung gerne näher erläutert gehabt hätte, denn wenn ich mir den Klappentext zur Fortsetzung ansehe, gefällt mir diese Entwicklung nicht wirklich.

Nichts desto trotz werde ich den zweiten Teil der Reihe, Pfad des Tigers, im Auge behalten und möchte der Reihe zumindest noch eine Chance geben, sich in eine Richtung zu entwickeln, mit der ich mich als Leser anfreunden kann. Ein schwacher Beginn und ein enttäuschender Schluss sorgen leider dafür, dass Kuss des Tigers eine eher durchschnittliche Bewertung erhält. Das Potential für mehr ist sicherlich vorhanden und ich bin auf jeden Fall neugierig, ob es in der Fortsetzung besser umgesetzt werden kann.

Rating: C

Vielen ♥-lichen Dank an den Heyne Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Buchinfos:
Gebundene Ausgabe, 544 Seiten
Published by Heyne Verlag, Jänner 2012
ISBN 9783453267732
Series: The Tiger Saga #1 (OT: Tiger’s Curse)

Inhalt und Cover © Goodreads.com

Kommentare:

  1. Bei dem Wort Dreiecksgeschichte vergeht mir mittlerweile oft die Lust ein Buch zu lesen, denn oft machen sie gar keinen Sinn und mehr Spannung bringen sie meiner Meinung nach auch nicht. Aber na ja, das Buch ist auf meiner "vielleicht irgendwann einmal" Liste und da bleibt es auch vorerst.

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    1. So empfinde ich Dreiecksbeziehungen gegenüber auch und in den meisten Fällen finde ich sie überflüssig, fast so als ob der Autorin nichts anderes einfällt um einen Konfklit in die Geschichte zu bringen. Dabei wäre das hier gar nicht nötig gewesen, denn Ren ist ein wirklich toller Charakter und man sah doch bereits, dass es auch so passen würde... ich schätze, dabei geht es leider rein um die Fortsetzung um dort noch genügend 'Material' zu haben :(
      liebe Grüße

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  2. Schöne Rezension! Ich bin mir bei dem Buch total unsicher...momentan habe ich beschlossen zu warten, bis im Original auch Band 4 und 5 erscheinen und dann werde ich die Serie wohl in einem Rutsch lesen, denn was ich inhaltlich zu Band 2 und 3 so gelesen habe, sagt mir nicht so wirklich zu...mal schauen. ;)

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    1. Ich mag Bad Boys ansonsten ja gerne, aber hier ist er mir absolut nicht sympathisch und die Entwicklung der weiteren Reihe gefällt mir auch nicht :( zwar wäre ich schon neugierig, wie die Serie abschließt, aber damit werde ich mir jetzt keinen Stress mehr machen und zu Teil 2 wohl erst die Rezensionen abwarten ;)
      liebe Grüße

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  3. Tolle Rezension – die bei mir persönlich leider zum Schluss führt, dass das Buch wohl eher nichts für mich. Ist die Geschichte von Kelsey und Ren denn mit diesem Buch abgeschlossen oder zieht sie sich über alle fünf angekündigten (?) Bände?

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    1. ACHTUNG SPOILER!
      Der zweite Teil konzentriert sich sehr stark auf Kelsey und Kishan. Ren bleibt wohl außen vor, während sich die beiden ins nächste Abenteuer stürtzen.
      Kelsey erkennt wohl erst in Teil 3 der Reihe, dass ihre Gefühle für Ren stärker sind und sie sich wieder ihm zuwendet. Wie es danach weitergeht weiß ich leider nicht...
      liebe Grüße

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    2. Ah, danke für die Aufklärung. Damit ist das Buch endgültig von der Wunschliste geflogen.

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  4. Hm. Vorerst doch nur WuLi-Platz. Wollte es letzte Woche schon gleich mit einsacken, aber dann sind ein paar andere Bücher wieder in den Sinn gekommen (Irina ist Schuld!!!), die ich unbedingt haben wollte. ;)

    Außerdem werde ich noch mal ein paar Rezis zu den Nachfolgebänden fischen gehen, um zu sehen, ob mich die noch reizen. Aber ich muss gestehen, dass die Cover eindeutig eine Augenweide sind. ;)

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    1. Jaja, immer sind die anderen Schuld *g*

      Die Cover sind wirklich einsame spitze und passen perfekt zur Geschichte bzw. zu den Charakteren. Alleine dafür würde es sich ja schon auszahlen die Bücher im Regal zu haben :)
      liebe Grüße

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  5. Okay, eigentlich wollte ich mir den Roman irgendwann kaufen, aber auf eine Dreiecksgeschichte habe ich überhaupt keine Lust. :(
    Irgendwie sind mir die meisten zu blöd, entweder die Protagonistin entscheidet sich am Ende für den meiner Meinung nach falschen oder es ist von Anfang an klar, wenn sie wählt. ^^

    Ist eigentlich schon klar, wie viele Bände es werden sollen?

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    1. Huhu Lucina,
      die ersten vier Teile der Reihe beschäftigen sich mal mit den vier Aufgaben, die gelöst werden müssen und ich schätze der fünfte Teil führt dann alles nochmal zusammen und es gibt da ja auch noch den Gegenspieler. Vielleicht nimmt er in diesem Teil auch noch eine größere Rolle ein. Aber ich glaube die Autorin hat bis jetzt noch nicht bestätigt, ob die Reihe danach abgeschlossen ist ^^

      Dreiecksbeziehungen kann ich auch nicht mehr sehen und die können ein tolles Buch wirklich unnötig in die Länge ziehen :/ ich kann dich da nur zu gut verstehen.
      liebe Grüße

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