Review: Memento. Die Überlebenden by Julianna Baggott

Montag, 23. April 2012

Description:
Eine amerikanische Stadt, neun Jahre, nachdem die Bomben fielen. Majestätisch thront die Kuppel des Kapitols über den Trümmern - in ihr leben die Reinen, die Makellosen. Sie wurden auserwählt, eine neue, bessere Menschheit zu begründen. Unten in der Stadt kämpfen alle Übrigen ums Überleben. Auch die 16-jährige Pressia hat es schwer, sich und ihren Großvater durchzubringen. Und dann soll sie auch noch eingezogen werden, um für das grausame Militärregime zu arbeiten, das Angst und Schrecken in der Stadt verbreitet. Als sie den Verschwörungstheoretiker Bradwell kennenlernt, scheint das zunächst ihre Rettung zu sein. Er kennt den Untergrund und hilft ihr, unterzutauchen. Doch dann wird sie erwischt...

Review:
Ganz ehrlich und ohne Sarkasmus kann ich sagen, dass Memento ein wirklich ungewöhnliches Buch darstellt und es Lesevergnügen mal auf andere Art und Weise vermittelt. Ich mag Dystopien sehr gerne und im letzten Jahr haben sie es geschafft fester Bestandteil meiner Lesestunden zu werden. Es vergeht kaum ein Monat ohne eine Dystopie und Memento versprach ein Buch zu werden, das sich nicht mit anderen Dystopien vergleichen lässt und sich von ihnen abhebt. Das zumindest kann ich uneingeschränkt bestätigen, Memento ist wirklich anders. Ob einem das gefällt muss natürlich jeder für sich feststellen, mein Fazit fällt leider nicht so gut wie erhofft aus.

Julianna Baggott hat hier eine interessante Welt erschaffen, die Katastrophe hat nicht nur die Landschaft sondern auch die Menschen grundlegend verändert. Mit faszinierenden Einblicken in diese neue Konstellation schafft es die Autorin in Erinnerung zu bleiben. Ihre Welt ist düster, scheint verloren und es gibt keine Hoffnung. Man fragt sich, woher die Charaktere eigentlich ihren Lebenswillen nehmen, wenn man ihre Situation betrachtet. Es wird nichts schön geredet, sondern den Tatsachen ins Auge geblickt und das Überleben steht im Mittelpunkt. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir jedoch schwer – an den ersten Kapiteln habe ich gut und gerne eine Woche gelesen, für den Rest dann noch einmal so lange. Das Buch beginnt erklärend, die Autorin stellt in Ruhe ihre Welt vor und obwohl die Geschichte immer wieder von anderen Charakteren erzählt wird kommt dadurch kein Tempo in die Geschichte. Vielmehr werden die Charaktere zu einem Erzähler, man merkt kaum einen Unterschied zwischen ihnen und würde am Beginn jedes Kapitels nicht der Name desjenigen stehen, aus dessen Sicht die nächsten Ereignisse geschildert werden, so wüsste man kaum wen man gerade vor sich hat. Die Autorin hätte viel Raum übrig gehabt um diesen auf die Protagonisten zu verwenden und ihnen eine gewisse Individualität zu verschaffen, aber die größten Unterschiede zwischen ihnen sind ihre körperlichen Besonderheiten.

Der für mich größte Kritikpunkt ist die Distanziertheit. Julianna Baggott schreibt klar und präzise und bringt Details ein wo sie benötigt werden, aber ich konnte mich mit den Charakteren nicht identifizieren, mich nicht in sie hineinversetzen und nicht mit ihnen mitfiebern. Dadurch bleibt man außen vor, beobachtet die Ereignisse nur, wird von ihnen aber nicht eingenommen. Für mich war es aufgrund dessen nicht schwierig das Buch immer wieder aus der Hand zu legen, auch mal andere Bücher währenddessen zu lesen, was ich sonst nicht mache. Aber ich konnte mich nicht auf die Geschichte konzentrieren, war mit meinen Gedanken oft woanders und das machte das Lesen zum Teil auch anstrengend. Wenn man sich bemühen muss der Geschichte zu folgen kann das kein Vergnügen mehr sein.

Das wohl Beste an diesem Buch waren seine letzten Kapitel. Hier kommt endlich eine gewisse Spannung auf, Handlungsstränge werden zusammengeführt und interessant weitergesponnen. Von den rund 460 Seiten waren es die letzten, die ich neugierig verfolgt habe und dann erst wollte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Das Ende an sich war dann zwar nicht ganz so überraschend, aber passend. Ob ich diese Reihe jedoch weiterhin lesen werde steht noch offen. Momentan habe ich wenig Lust dazu, aber auch das kann sich rasch wieder ändern. Große Erwartungen und so manche positive Rezension, die meine Neugierde weckten und doch sprach mich die Geschichte nicht an. Keine Frage, die Idee ist super, die Welt fundiert und ungewöhnlich aufgebaut, aber den Charakteren fehlte es an Gefühlstiefe, was das ausschlaggebende für meine Wertung war.

Rating: C-

Vielen ♥-lichen Dank an Blogg dein Buch und den Baumhaus Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Buchinfos:
Hardcover, 461 pages
Published March 16th 2012 by Baumhaus Verlag/Lübbe
ISBN 9783833901133
Series: Pure #1 (OT: Pure)

Inhalt und Cover © Goodreads.com

Kommentare:

  1. Wirklich Schade Melanie, dass du dich so durchkämpfen musstest :( "Memento" kommt mir wirklich vor wie eine Wundertüte, entweder man greift rein und ist ganz verzückt vom Inhalt oder der Schuss geht nach hinten los.
    Ich kann es wirklich verstehen, dass du über die Distanz keinen Zugang finden konntest. Wenn es an der Verbindung zu den Charakteren hakt, kann das Setting noch so gut sein.

    Allerdings finde ich schon, dass man die Charaktere in ihrer Erzählsicht gut unterscheiden konnte. Bei Pressia und Patridge fand ich es am deutlichsten. Patridge war fast noch der "fröhlichste" und "optimistischste" von allen ;)

    Schöne nachvollziehbare Rezension und wieder ganz andere Blickwinkel für ein und dasselbe Buch!

    Liebe Grüße

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    1. Der Aufbau der Welt war ja durchaus interessant und ungewöhnlich und wären die Charaktere nur ein bisschen besser ausgearbeitet gewesen hätte das einen großen Unterschied gemacht. World Building kann bei mir halt nicht die Charaktere ersetzen, aber das sieht jeder ganz anders.

      Danke für deine lieben Worte, Tina :)
      liebe Grüße

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  2. Hmmmm, ich bin froh, dass ich es bisher nicht gekauft habe...das Buch klingt nicht unbedingt nach dem, was ich gerne lese. Zumal ich mir mit Dystopien so und so immer noch etwas schwer tue...

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    1. Wenn du Dystopien an sich schon nicht so magst, dann glaube ich wirklich nicht, dass dir diese hier gefallen könnte. Dann doch lieber 'Die Bestimmung' von Veronica Roth probieren - dazu gibt es ja kaum negative Reaktionen ;)

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  3. Ja, "Memento" ist/war schon ein sehr eigenes Buch. Mich hat's jetzt an sich auch nicht so überzeugt, dass ich dem Nachfolger ungehalten entgegen hibble.
    Aber ich fand schlichtweg die Welt und ihre Hierarchie so interessant, dass ich auch diese Distanziertheit vernachlässigen konnte.

    Insgesamt find ich's ja sehr spannend zu lesen, wie die Meinungen auseinander gehen. :D

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    1. Dass stimmt allerdings - manch einen stört diese Distanziertheit (oder andere Aspekte) gar nicht, während sie bei mir zum ausschlaggebenden Punkt wurde warum ich die Reihe nicht weiterlesen möchte. Solche Bücher muss einfach jeder für sich anlesen und dann entscheiden.
      liebe Grüße

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