Review: Hexenfluch by Lynn Raven

Montag, 28. Mai 2012

Description:
Im Leben der erfolgreichen Ärztin Ella Thorens gibt es nicht viel außer ihrem Beruf. Seit ihre Mutter sie und ihren Vater verließ, hält sie ihr Herz sorgsam verschlossen. Ella ahnt nicht, dass ihre Mutter ihr ein besonderes Erbe hinterlassen hat, bis sie eines Abends Zeugin wird, wie eine Gruppe vermummter Gestalten einen Mann zusammenschlägt. Ella kann die Angreifer vertreiben, doch als sie den Verletzten berührt, fühlt sie, wie eine neue Macht sie durchströmt. Denn Christian Havreux ist ein Hexer, und der Kontakt mit ihm erweckt Ellas magische Kräfte. Christian überredet Ella, sich von ihm ausbilden zu lassen, doch dabei verfolgt er nicht nur uneigennützige Pläne...

Review:
Rasant und unvorbereitet wird man von der Autorin in dieser Geschichte fast schon hineingeworfen. Es gibt kein Herantasten an die Charaktere und die Handlung, vielmehr findet man sich innerhalb der ersten Seiten schon in einer gefährlichen Situation wieder, die die Zukunft unserer Protagonisten entscheidend beeinflussen wird. Dennoch hatte ich mit den ersten Kapiteln so meine Probleme, fand nicht richtig in die Geschichte rein und hatte stattdessen das Gefühl das Geschehen von außen zu betrachten. Mit Christian haben wir zwar einen Tortured Hero vor uns, aber ich war mir lange nicht sicher, ob ich ihn sympathisch finden sollte. Denn seine Taten gingen eher in entgegen gesetzte Richtung und erst ein kurzer Blick aufs Ende konnte mein Interesse für dieses Buch wieder wecken.

Christian befindet sich in einem Konflikt, möchte einerseits von seinem Fluch befreit werden, entwickelt aber auch Gefühle für Ella, die von all dem nichts weiß. Zu Beginn wurde er als kalt und fast schon gefühllos dargestellt, die Gefühle anderer schienen im egal zu sein, sein Ziel stand im Mittelpunkt und dafür war er bereit alles zu riskieren und jeden Versuch zu nutzen. Erst im Laufe der Handlung wird er etwas weicher, erkennt, dass andere Dinge ebenso wichtig sind, wobei diese Erkenntnis natürlich weiteres Konfliktpotential darstellt. Denn nun kämpft er nicht nur gegen den Fluch, sondern auch um Ella. In dieser Situation war es auch für mich als Leserin nicht immer einfach zu entscheiden, wie Christian nun eingeordnet werden sollte. War er der Bösewicht, der über Leichen gehen würde um sein Ziel zu erreichen oder könnte er sich doch ändern und zu einem Helden werden. Ich war dann sogar so zerrissen in meiner Vorstellung und auch neugierig und musste dann mal ins Ende reinlinsen. Andernfalls hätte es gut sein können, dass mich dieser Widerspruch dazu gebracht hätte das Buch zu unterbrechen. So aber wusste ich was mich am Ende erwartet und ich konnte in Ruhe weiter lesen und brauchte mich nicht länger zu ärgern.

Christian ist wie bereit gesagt, ein sehr eigenwilliger Charakter. Seine Vergangenheit hat ihn stark geprägt und die Autorin hat es ihm nicht einfach gemacht. Gewalt, Unterwerfung und Ausnutzung sowohl auf physischer als auch psychischer Seite zählen zu seinem Alltag. Christian wird ganz klar dominiert, muss sich nicht nur dem Bann, sondern auch jener Dämonenfürstin unterwerfen, die ihn ausgesprochen hat. Sie degradiert ihn zu einem Spielzeug und das auch in sexueller Hinsicht, denn nach Lust und Laune soll er entweder ihr oder einer/einem von ihr Auserwählter/Auserwähltem dienen. Christian muss das so akzeptieren, versucht zwar Schlupfwinkel zu finden, aber das gelingt ihm nicht immer. Und dennoch merkt man einen starken Kontrast zwischen diesen erzwungenen Leidenschaften und der Anziehungskraft, die ihn an Ella bindet und dafür sorgt, dass er sie nicht loslassen möchte.

Die wohl größte Schwäche dieses Buches stellten für mich die Nebencharaktere dar. Dem Zirkel zum Beispiel hätte meiner Meinung nach mehr Beachtung geschenkt werden müssen. Zu Beginn wirkte es so, als würde ihn eine wichtige Rolle erwarten, aber die Umsetzung fand ich dann doch eher mangelhaft. Andere Aspekte wurden wichtiger und trotz einiger Auftritte und Mitwirkung an der Lösung des Konfliktes hätte der Zirkel doch stärker ausgebaut sein können. Etwas besser war es dann zwar mit Mikah, einem Gestaltwandler, dem ein ähnliches Schicksal wie Christian drohte. Sein Einfluss auf die Ereignisse ist anfangs noch sehr gering, er wird von Christian so gut es geht beschützt, erscheint ansonsten aber nur am Rande. Erst zum Ende hin erwacht er aus dieser Lethargie und greift aktiv ins Geschehen ein und besonders das Ende lässt mich auf eine Fortsetzung hoffe, die ihn dann in den Mittelpunkt stellt.

Lynn Raven balanciert hier ausgezeichnet zwischen Gut und Böse, kaum etwas ist so wie es zuerst scheinen mag und hinter jeder Aussage und Handlung verbirgt sich viel mehr. Damit ist Hexenfluch eine facettenreiche Geschichte, die ich so nicht erwartet hatte. Vorgestellt hatte ich mir nämlich eine lockere und leichte Geschichte, Humor und nichts zu Drastisches. Und vom Klappentext her hätte ich auch nicht vermutet, was das Buch für seine Leser bereithält. Denn die Autorin ist einen ganz anderen Weg gegangen, diesen aber nicht minder interessant und detailliert gestaltet. Hexenfluch ist mein erstes Buch von Lynn Raven, da mich ihre vorherigen Bücher nie angesprochen haben, aber sollte sie mit anderen Charakteren in diese Welt zurückkehren wäre ich gerne wieder dabei. Alles in allem ist Hexenfluch also kein Buch für Zwischendurch und auch keine leichte Kost, aber trotz seiner Mängel konnte es mich überzeugen.

Rating: B-

Buchinfos:
Paperback, 432 pages
Published May 2nd 2012 by Knaur TB
ISBN 9783426505601
Series: --

Inhalt und Cover © Goodreads.com

Kommentare:

  1. Da bin ich ja mal gespannt, da sich die Geister bei diesem Buch echt scheiden. Lynn Raven ist mir allerdings bisher nur in positiver Erinnerung und ich habe das Buch auch endlich hier und werde es bald lesen. Freue mich darauf!

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    1. Ich habe ja (leider) keine Vergleichsmöglichkeiten bei Lynn Raven, aber ich war dennoch positiv überrascht und kann das Buch nur empfehlen. Ich freue mich schon auf deine Meinung und was du zu diesem wohl veränderten Stil der Autorin sagen wirst :)

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  2. Hey Mel,

    vielen Dank für deine wunderschöne Buchrezi, wie gewohnt sehr ausführlich und viel sagend. Ich habe das Buch auch auf meiner WL, es hat wie ich finde ein recht nettes Cover und an sich sprach es mir auch an, nun sehe ich das ich das evt. mit bissl Zeit lesen sollte ^^ Vielen Dank!

    LG
    Romi

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    1. Immer wieder gerne, Romi ;)

      Das Cover finde ich auch gut gelungen, auch wenn es in Bezug auf die Geschichte einen Tick zu weich ist. Aber sehen lassen kann es sich.
      liebe Grüße, Melanie

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  3. Mir ging es genauso: Auch das erste Lynn Raven und so hundertprozentig war ich nicht überzeugt.

    Sehr schöne Rezension.

    glg

    Steffi

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    1. Dankeschön!
      Aber abgeschreckt bin ich jetzt auch nicht von der Autorin, sondern würde durchaus wieder was von ihr lesen ;) außer ihre YA Bücher, die mich weniger interessieren...

      liebe Grüße

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  4. Hallo Melanie,

    nachdem ich "Der Kuss des Kjer" nur mittelmäßig fand, werde ich wohl so schnell kein weiteres Buch dieser Autorin versuchen. ;-)

    Tolle Rezension, die du verfasst hast.

    LG
    Sabine

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    1. Danke Sabine :)

      Das Buch läuft ja nicht weg, vielleicht interessiert es dich später mal, ansonsten kennst du meine Einstellung ja: es gibt noch genügend andere tolle Bücher da draußen *g*
      liebe Grüße

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  5. Hab jetzt nur den letzten Absatz deiner Besprechung gelesen, um mich nicht zu spoilern.
    Die Stimmung ist schon sehr düster, was mich momentan aber gar nicht tangiert. Bin schon soooo gespannt, wie es weiter geht! Ich hoffe echt, daß die Autorin keine fiesen Wendungen einbaut, denn dann könnte von meiner Seite aus eine echt gute Wertung drinnen sein! :-)

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    1. Ich kann dich zumindest in dieser Hinsicht beruhigen, aber mehr sag ich jetzt nicht mehr ;) das mach ich dann lieber erst, wenn du mit dem Lesen durch bist!

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    2. Oh, das höre ich sehr gerne! Da freue ich mich gleich noch mehr aufs Weiterlesen! :-)

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