Review: Das göttliche Mädchen by Aimée Carter

Donnerstag, 5. Juli 2012

Description:
Du kannst das Leben deiner Mutter retten wenn du als Wintermädchen bestehst!
Sie sind nach Eden gekommen, weil es der Wunsch ihrer sterbenskranken Mutter ist. Hier lernt Kate den attraktiven und stillen Henry kennen. Seit der ersten Begegnung fühlt sie sich auf unerklärliche Weise zu ihm hingezogen. Er sieht so gut aus und scheint gleichzeitig so ... unendlich traurig zu sein. Bald erfährt Kate, warum: Er ist Hades, der Gott der Unterwelt! Und er macht ihr ein unglaubliches Angebot: Er wird ihre Mutter heilen, wenn Kate sieben Prüfungen besteht und sein geliebtes Wintermädchen wird. Aber ob ihre Seele für ein Winterleben stark genug ist? Bisher haben alle ihr Scheitern mit dem Tod bezahlt.

Review:
Vornweg möchte ich sagen, dass dieses Buch schon für so manche Diskussion gesorgt hat und es wohl nur zwei Möglichkeiten gibt. Entweder man kennt sich mit griechischer Mythologie nicht besonders gut aus und kann die Geschichte daher genießen, oder das Gegenteil ist der Fall. Wenn das so ist wird man an dem Buch keine bzw. weniger Freude haben wie diverse Rezensionen bereits gezeigt haben. Denn mit den griechischen Göttern haben die Protagonisten so gar nichts gemein – weder den Namen, noch Charaktereigenschaften. Bei einigen von ihnen hätte ich nie gewusst wen sie eigentlich darstellen sollen wäre zum Schluss des Buches nicht die Auflistung der Götter samt neuer Namen gewesen. Aber erstmal von Anfang an.

Im Grunde ist Das göttliche Mädchen fast schon eine Parodie auf die griechische Götterwelt. Nichts ist mehr wie es war, die gesamte Welt der Götter wurde auf den Kopf gestellt und hier neu kreiert. In mitten dieser Konstellation findet sich Kate wieder, die mit dieser Welt wenig anfangen kann und ohne Beweis glaubt sie auch nicht an deren Existenz. Kate wird zur letzten Chance für Henry die Herrschaft über das Reich der Toten aufrecht zu erhalten. Ob er das überhaupt will weiß man aber nicht so genau, denn er setzt sich nicht unbedingt leidenschaftlich für dieses Ziel ein. Es gibt keine Höhepunkte, Gefühle stehen nicht unbedingt im Vordergrund, sodass man emotional immer eine gewisse Distanz wahrt. Überhaupt sollte man so manche Aspekte nicht genauer hinterfragen, denn das Buch bleibt viele Antworten schuldig. Aimée Carter kennt hier keine Grenzen und bedient sich bei diversen Mythen und Sagen, vermischt sie und ändert sie nach Lust und Laune ab.

Kate verhält sich manchmal sehr naiv und will oft nicht sehen, was sich da direkt vor ihrer Nase abspielt. Henry selbst ist von der ruhigen Sorte, sehr in sich gezogen und neigt nicht dazu Gefühle zu zeigen. Der Vorstellung von Hades entspricht er damit so gar nicht und er kann mit seinen Charakterzügen nicht überzeugen. Dazu kommen alle anderen Charaktere, die in Eden oder Eden Manor leben. Der Personenkreis ist dabei recht überschaubar, was die Autorin aber nicht für sich nutzen konnte. Denn anstatt die Nebencharaktere facettenreich zu gestalten und den Leser neugierig auf sie zu machen, bleiben sie farblos und treten nur im Hintergrund auf. Sie sind nettes Beiwerk, aber das Hauptaugenmerk liegt eindeutig bei Kate und Henry. Hier wiederum hätte ich es schön gefunden, wenn wir die Ereignisse auch aus Henrys Sicht hätten erleben dürfen. So bleibt auch er unantastbar und man kann gar nicht glauben, dass er wirklich Hades sein soll. Überhaupt verhalten sich die jeweiligen Charaktere nicht wie Götter und im Allgemeinen ist es wohl besser, wenn man sie sich ihr Alter als ‚Normalsterbliche’ vor Augen hält. Dabei wirkt es eher so als würden sie sich an ihr früheres Leben als Götter erinnern, aber man hat nicht das Gefühl, dass sie dieses gelebt haben.

Auch das Ende enttäuscht in vieler Hinsicht und stellt leider nicht den Höhepunkt dieser Geschichte dar. Die Grundidee mit den zu bestehenden Prüfungen hörte sich so viel versprechend an, die Umsetzung selbst wirkt aber wie eine halbherzige Notlösung, die kaum liebloser hätte sein können. Worin die Prüfungen bestehen konnte man lange Zeit nur vermuten und ich hätte mir ein aktiveres Dabeisein gewünscht. Grundsätzlich hätte die Geschichte mehr Spannung, unerwartete Wendungen und emotionale Krisen vertragen. Eines steht aber fest: dieses Buch wird auch in Zukunft für Zündstoff sorgen und man sollte sich im Vorhinein schon bewusst sein worauf man sich einlässt. Ansonsten stehen die Chancen sehr schlecht, dass man die Geschichte auch nur im Ansatz genießen kann.

Nun entspricht meine Wertung vielleicht nicht den Erwartungen nach all diesen Kritikpunkten, aber das lässt sich rasch erklären. Ich wusste vorher ganz genau was da auf mich zukommt, worin all die Fehler liegen und was die Autorin falsch gemacht hat. Ich konnte ohne Erwartungen an das Buch heran gehen und daher auch nicht enttäuscht werden. Ich hatte mir vorgenommen so zu tun als ob ich über die griechische Mythologie und andere Sagen absolut nichts weiß und die Charaktere nicht als Götter sehe. Und damit hat es auch geklappt und ich habe das Buch nicht entnervt zur Seite gelegt. Positiv zu sagen ist auf jeden Fall, dass sich die Geschichte flüssig lesen lässt, wenn man nicht zu lange nachdenkt. Das göttliche Mädchen reiht sich in eine Reihe weiterer durchschnittlicher Bücher ein, kann sich von der Menge aber nicht abheben. Und um ehrlich zu sein bezweifle ich, ob ich die Fortsetzung lesen werde. Das Ende wäre an sich ein Gutes und die Geschichte könnte als Stand Alone bestehen. Man muss sein Glück nicht noch extra herausfordern, darum werde ich es dabei belassen und mich hoffentlich besser ausgearbeiteten Büchern mit ähnlicher Thematik zuwenden.

Rating: C

Buchinfos:
Klappenbroschur, 304 pages
Published May 10th 2012 by Mira Taschenbuch
ISBN 9783862783267
Series: Goddess Test #1 (OT: The Goddess Test)

Inhalt und Cover © Goodreads.com

Kommentare:

  1. Die armen griechischen Götter und Sagenfiguren. *schmerz* Ich mag Mythologie und als ich jünger war, mochte ich ganz speziell die griechischen Göttergeschichten. Und sehr gern ich auch gern über das eine oder andere Thema eine Parodie lesen mag, zweifel ich nach wie vor daran, dass mir dieses Buch gefallen könnte.

    Da ist es wieder einmal Ironie pur, dass es sich auf meinem eReader schon befindet (konnte dem günstigen eBook-Preis einfach nicht widerstehen. *hust*)

    Ich mochte ja schon Solstice nicht, was ja den griechischen Göttern neue Gewänder (Namen), aber altes Wissen und Wesenszüge beibehalten hat. Sodass es dort eigetnlich weniger schwierig war, die Götter wiederzuerkennen. Auch wenn ich die Umsetzung und das Mischmasch gar nicht mochte. Wie du so schön sagst, entweder man hasst oder liebt es. Viel bleibt einem bei so etwas nicht über. -.-

    Liebe Grüße
    Mandy

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    1. Du sagst es, teilweise hat es wirklich weh getan zu was die Götter hier degradiert wurden. Ich finde ja, dass die Autorin diese Geschichte auch ohne den Bezug zur griechischen Mythologie hätte schreiben und damit weit mehr Erfolg hätte haben können.

      Du hast dir aber die englische Version als ebook geholt, oder? Von der Thematik her wird sich da zwar nichts geändert haben, aber vielleicht wirken manche Charaktere im Original etwas überzeugender als in der Übersetzung *hoffnung haben will* Aber wenn es so günstig war dann tut es auch nicht ganz so weh, wenn es eine Enttäuschung ist ^^

      Zwischen hassen oder nicht hassen besteht ja noch die Möglichkeit sich das Ganze zu ersparen und das Buch gar nicht erst zu lesen ;) Aber manchmal muss man sich auch selbst davon überzeugen, dass eine Autorin so daneben liegen kann...

      liebe Grüße, Melli

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  2. Haha ich kenne mich mit Mythologie nicht aus, von daher muss ich das Buch jetzt schon lesen, interessiert mich echt!

    LG

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    1. Huhu Maria :)

      dann hoffe, dass dir die Geschichte wirklich gefällt und ich wünsch dir viel Spaß beim Ausprobieren.

      liebe Grüße, Melanie

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  3. Herrje, das habe ich mir so ähnlich schon fast gedacht und verzichte dann wohl aufs lesen. Danke für Deine Meinung! :)

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    1. Ich glaube es ist das Beste, wenn du es sein lässt mit diesem Buch. Ich habe zwar so einige positive Bewertungen gelesen, aber es kann mir keiner sagen, dass die Mythologie hier 'richtig' umgesetzt wurde und die Charaktere auch nur halbwegs authentisch dargestellt werden ^^
      liebe Grüße, Melli

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  4. Seit ich die (herrlich unterhaltsame) Negativ-Rezension von Lisas Mundo Phantastico gelesen habe, weiß ich, dass das nichts für mich ist. Und jetzt bin ich darin nur nochmal bestätigt worden.
    Respekt, dass du da so neutral herangehen konntest! Mich hätte es wahrscheinlich furchtbar aufgeregt, dass von der griechischen Mythologie (von der ich großer Fan bin) fast nichts mehr übrig geblieben ist :/ Deine Beschreibung von "Hades" *hust* sagt ja alles... Nein, um das Buch werde ich einen sehr, sehr großen Bogen machen ;)

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    1. Ihre Rezension hatte ich ja auch gelesen, da war es für mich aber schon zu spät weil das Buch längst unterwegs war. Aber es hat auch was Gutes und jetzt im Nachhinein kann ich all diese Rezis noch besser nachvollziehen ;)
      liebe Grüße

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