Review: Liebe auf den zweiten Blick by Lynsay Sands

Dienstag, 12. März 2013



Taschenbuch Ausgabe 380 Seiten
ISBN 9783802589003 Egmont Lyx Verlag


Serie: Stand Alone
Originaltitel: Love is Blind





„Ohne ihre Brille ist Clarissa Crambray so gut wie blind. Dennoch verbietet die Stiefmutter ihr, eine zu tragen, aus Angst, sie könnte sonst keinen Ehemann finden. Durch ihre Tollpatschigkeit hat Clarissa schon viele Männer in die Flucht geschlagen. Nur der Draufgänger Adrian Montfort, Earl of Mowbray, scheint sich daran nicht zu stören...“

Review
Lyndsay Sands ist für mich keine unbekannte Autorin, ich kenne sie nämlich von ihrer Argeneaus Reihe, die sich rund um Vampire dreht und die sehr humorvoll ist. Klischees lassen grüßen, aber das hat mich damals nicht gestört. Der Grund warum ich diese Reihe damals aufgegeben hatte, war eher, dass ich das Gefühl hatte es würde sich Eintönigkeit einschleichen. Nun geht sie mit Liebe auf den zweiten Blick aber von diesem Muster ab und wendet sich dem Historischen Liebesroman zu und da diese im letzten Jahr meine Neugierde wecken konnten, wollte ich auch diesem Buch eine Chance geben. Denn obwohl ich sie mittlerweile gerne lese, kenne ich Bücher aus diesem Genre fast nur auf Englisch.

Clarissa und Adrian sind auf den ersten Blick ein wirklich süßes Pärchen. Sie ist ohne ihre Brille so gut wie blind, er fühlt sich durch eine Narbe im Gesicht unsicher und hält Abstand zu seinen Mitmenschen. Es kann daher fast als Glücksfall gesehen werden, als Clarissas Brille zerbrochen und auf Ersatz erstmal gewartet werden muss. Ohne diese Entwicklung wäre es den beiden wohl nicht möglich gewesen sich offen zu begegnen. Im Laufe der Geschichte wissen sie schließlich um die persönlichen Ängste des anderen, nehmen aber darauf Rücksicht und stellen den anderen in den Vordergrund. Zwar lassen sie diese Ängste lange ihr Leben bestimmen, aber zusammen finden sie eine Möglichkeit doch noch glücklich zu werden. Das fängt bei ihnen beiden an, erstreckt sich schließlich auch auf deren Familien, die in die Handlung doch stark einbezogen und zu Helfern ernannt werden.

Die Stärke dieses Buches sah ich nicht in dem historischen Setting, sondern vielmehr im humorvollen Unterton, den ich von Lynsay Sands erwartet hatte. Der Klappentext verspricht unterhaltsame Momente, die Clarissa ohne Brille zeigen und was sie in diesem Zustand so alles anstellt. In der Umsetzung waren solche Momente aber eher selten anzufinden. Es wird eher erzählt wie peinlich und unangenehm diese Begegnungen gewesen sein mussten und dass Clarissa darüber lachen kann, aber miterleben konnte man das kaum.

Der wohl größte Kritikpunkt bezieht sich auf die Ausdrucksweise der Autorin, die nicht der damaligen Zeit entsprach. Dafür verwendet die Autorin einfach zu moderne bzw. teilweise unpassende Worte und zerstört damit die Stimmung (denn bei ‚Lustgrotte‘ und ‚Freudenstab‘ kann ich nur die Augen verdrehen, dabei war das erst der Anfang! Wartet mal bis die Szene kommt, in der Adrian versucht seinen ‚Schlüssel‘ in ihr ‚Schloss‘ zu ‚stecken‘.). Ich kann an dieser Stelle nicht sagen, ob es rein an der Übersetzung liegt oder ob die Autorin auch im Original versucht hat, so gezwungen Humor rein zu bringen. Denn das soll es wohl sein – humorvoll. Leider kam das bei mir nicht an. Für mich waren es die Szenen selbst die den Humor mit sich brachten, die Handlungen der Charaktere, ihre Umgangsweise miteinander, nicht aber die Ausdrucksweise selbst.

Übrigens versuchte die Autorin hier auch einen kleinen Suspense Plot einzuarbeiten, auf den ich persönlich gut hätte verzichten können. Zum einem wurde er erst relativ spät ins Spiel gebracht, zum anderen war die Auflösung auch mangelhaft (oder vielmehr halbherzig, wie diese ganze Aktion). Der Konflikt selbst war wohl der Versuch noch zusätzlich Spannung zu vermitteln, aber hätte sich die Autorin auf den humorvollen Aspekt der Geschichte konzentriert und diesen stärker herausgearbeitet, hätte sie auf diesen zweiten Handlungsstrang vollkommen verzichten können. So aber ist es von beiden etwas, aber doch nichts Ganzes.

Schlussendlich konnte mich dieses Buch nicht überzeugen. Positiv ist, dass es sich hierbei um einen Stand Alone handelt, die Charaktere durchaus sympathisch, wenn auch naiv sind und zumindest der Beginn mit Humor punkten kann. Dann geht das leider ins Lächerliche über und ich glaube für mich wird es bei diesem Abstecher in Richtung Lynsay Sands bleiben.
Inhalt und Cover © Goodreads.com

Kommentare:

  1. Huhu Mel,

    *kicha* ahhh ja da musste ich auch mega lachen "Freudenstab" *kicha* wirklich ulkig ^^

    Und ja also historisch ist dieses Buch sehr unkorrekt ^^ Aber auch ich fand das völlig ok da es wirklich sehr witzig war dieses Buch zu lesen ^^ auch wenns bei dir im Ganzen nicht so gut abgeschnitten hat ^^

    Liebe Grüße
    Romi

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    1. Huhu Romi,

      ich fand das ja ehrlich gesagt nicht besonders lustig, sondern eher störend ;) Meinen Humor hat sie damit so gar nicht getroffen, ich fand es so schade, weil die Grundidee durchaus viel versprechend war. Aber ich glaube Lynsay Sands spricht einfach ein ganz eigenes Publikum an und ich gehöre einfach nicht dazu ;) Ich finde es aber immer schön, wenn andere ein Buch mehr genießen können, als es bei mir der Fall war und du solltest dich dann auch mal bei der Argeneau Reihe umsehen ;)

      Liebe Grüße, Melanie

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  2. Hallo Melanie,

    schon eine Weile liebäugele ich mit dem Buch. Nach deiner Rezi werde ich es mir wohl nun doch nicht besorgen.

    Lynsay Sands war mir bereits vor ihrer Argeneau Serie ein Begriff. Ihre älteren historischen Liebesromane sprühen nur so vor Witz und guten Ideen. Deshalb empfehle ich dir, ihren früheren Werken eine Chance zu geben. Dabei möchte ich dir "Was deine Blicke mir versprechen" ganz besonders ans Herz legen. Mein absolutes Lieblingsbuch, bei dem ich Tränen gelacht habe. Auch sehr unterhaltsam sind "Nächte der Leidenschaft" und "Das Geheimnis des goldenen Schlüssels" bzw. "Lady Ilianas lustvolles Spiel".

    LG, Sylvia

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    1. Hallo Sylvia,

      bei diesem Buch kann ich wirklich nur zur englischen Version raten in der Hoffnung, dass sich Sands Humor im Original besser liest. Aber danke dir für die Buchtipps - ich werde sie mir ev. mal anschauen, wenn ich ein bisschen vergessen habe wie lächerlich 'Liebe auf den zweiten Blick' doch war. Vorher glaube ich nicht, dass ich mich noch mal an Sands wagen würde ;)

      Liebe Grüße, Melanie

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  3. Er will seinen Schlüssel in ihr Schloss stecken? Ach du liebe Zeit … *fassungslos*

    Ich schätze, mein Fall ist der Humor bei ihren Historicals nicht, deshalb lass ich wohl die Finger davon! Gibt ja genug andere Bücher, an denen man nicht von vorneherein zweifelt!

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    1. Du wirst da wirklich nicht groß was verpassen, wenn du es nicht liest ^^ Und wenn man nach einer Kombination aus historischen Liro und Humor sucht gibt es wahrlich genug Autoren, die das besser hinbekommen ;)
      Liebe Grüße

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