Review: Ich habe mich verträumt by Kristan Higgins

Samstag, 10. August 2013

 
Taschenbuch Ausgabe 400 Seiten
ISBN 9783862787241 Mira Taschenbuch Verlag


Serie: Stand Alone
Originaltitel: Too Good To Be True






„Er ist groß, gut aussehend, erfolgreich, liebevoll, einfühlsam - und existiert nur in ihrer Fantasie. Weil Grace es leid ist, sich ständig Bemerkungen über ihren Singlestatus anzuhören, erfindet sie kurzerhand einen Verehrer. Dumm nur, dass sich die Geschichte schnell herumspricht - und auch ihrem neuen Nachbarn Cal zu Ohren kommt. Der erstaunlich viel Ähnlichkeit mit ihrem Traummann hat... Doch bevor Grace sich näher mit ihm beschäftigen kann, muss sie ein paar katastrophale Blind Dates hinter sich bringen, ihren Exfreund auf seiner Hochzeit mit einem Kinnhaken niederstrecken und ein paar Senioren Tanzunterricht geben.“

Review
Der Originaltitel des Buches bringt es eigentlich schon perfekt auf den Punkt – Too Good To Be True. Die Geschichte hört sich zu verlockend an, es wundert mich, dass da nicht schon früher Zweifel bei mir aufkamen. Aber ganz im Gegenteil, ich war sehr neugierig auf das Buch (die Autorin wurde mir ja schon letztes Jahr empfohlen) und habe mich sehr darüber gefreut, das Buch dann bei Blogg dein Buch bekommen zu haben. Erwartet hatte ich mir eine lockere Unterhaltung für den Sommer; Charaktere, die sich erst vielleicht nicht so sympathisch sein würden, aber dann doch merken wie sehr sie den anderen eigentlich möchten und daraus mehr wird; dazu dann noch ein humorvoller Unterton und es wäre die perfekte Kombination gewesen. Und wenn man sich den Klappentext so durchliest deutet doch alles genau darauf hin, nicht?

Leider sollte es dann ganz anders kommen und die erste Enttäuschung folgte relativ rasch. Die Geschichte hätte mehr Tempo gebraucht um wirklich unterhalten zu können. So manche humorvolle Szene wirkte einfach nur erzwungen, als müsse sie jetzt sein, obwohl sie komplett fehl am Platz war. Dazu kamen dann zahlreiche Rückblicke und Erklärungen, die die eigentliche Handlung so stark unterbrachen, dass man sich dann erst wieder überlegen musste wo man eigentlich war. Ich glaube einfach, dass es die Autorin hier zu gut gemeint hat und zu viel wollte. Hätte sie ein paar Aspekte einfach nicht erwähnt, hätte niemand ein Fehlen bemerkt und zumindest ich hätte den eigentlichen Handlungsstrang besser verfolgen und genießen können.

Besonders schade fand ich es auch, dass die Charaktere, wenn man es sich genau ansieht, ja kaum Zeit miteinander verbracht haben. Diese kurzen Momente zwischen Tür und Angel haben mir definitiv nicht das Gefühl gegeben, da könnte sich etwas zwischen ihnen entwickeln. Grace weint heimlich noch ihrem Exverlobten hinterher und auch, dass sich Cal zu ihr hingezogen fühlt ist wenig deutlich. Und die Krönung war dann ja noch Cals Verhalten zum Schluss hin, als er erfahren hat, dass ihr Freund nur erfunden war. Seine Reaktion darauf und seine total aus der Luft gegriffene Eifersucht haben ihn bei mir leider Punkte gekostet. Bei Letzterem habe ich mich wirklich gewundert, wo das plötzlich herkam, da gab es vorher kein Anzeichen dafür. Und auch gar keinen Grund, hätte er mal genauer zugehört oder hingesehen.

Die Nebencharaktere hätten dann viel wieder gut machen können, aber die arme Grace ist da schon mit einem eigenwilligen Grüppchen gesegnet. Ihre ältere Schwester war mir dann noch am sympathischsten, weil sie eine direkte Art hat und damit bei mir punkten konnte. Sie beschönigt nichts unnötig und zeigt Grace auch auf, dass sie viel zu oft von den anderen (besonders der jüngsten Schwester) ausgenutzt wird. Wobei sie aber selbst auch vorübergehend zu Grace zieht, darin aber kein Ausnutzen sieht. Nun ja, darüber kann diskutiert werden. Überhaupt waren all diese kleinen Nebenhandlungen zu viel des Guten und die Autorin hat das eigentliche Pärchen ganz aus den Augen verloren. Viel wichtiger wurde die Frage, ob Grace ihrem Exverlobten vergeben und ihrer Schwester dieses Glück auch von Herzen können kann. Und auch, ob sie nicht immer noch selbst an ihm hängt. Cal hatte da für mich auch eher eine Nebenrolle ein und trat erst viel zu spät stärker hervor. Und tut mir Leid, aber dieses Hin und Her zwischen ihren Eltern war dann auch nicht mehr lustig. Irgendwann reicht es dann auch zu zeigen, dass jeder in seiner Ehe vor Problemen steht, egal wie lange man verheiratet ist.

Humor fand ich vor allem in den Momenten in denen ihre Großmutter vorkam. Sie kennt kein sich zurück halten und politisch korrekt sein und ist damit direkt sympathisch und unterhaltsam auf ihre doch verschrobene Art und Weise. Bei den Blind Dates war es dann eher eine Mischung aus Humor gespickt mit ins-Lächerliche-abdriften. Die Autorin hat hier oft eine Gratwanderung betrieben, die ihr leider nicht immer gelang. Und obwohl ich die Streitereien zwischen Graces Mutter und ihrem Vater eher anstrengend fand, so hatte das Hobby ihrer Mutter doch Unterhaltungswert. Aber das müsst ihr ja selbst herausfinden.

Alles in allem hatte das Buch für mich zu viele Längen und unnötige Ausführungen, besonders der Mittelteil bestand nur daraus, als dass ich es hätte genießen können. Die Handlung zieht sich so hinaus, da verliert man schon ein wenig die Lust am Lesen. Und die Charaktere sind leider nicht so stark um das auszugleichen. Dennoch hat mir an Kristan Higgins etwas gefallen – ich kann es nicht ganz genau benennen, aber hier und da gab es sehr schöne Momente und Szenen, in denen der Humor nicht so erzwungen gewirkt hat. Und genau darum möchte ich Kristan Higgins auch im Original kennen lernen, vielleicht liegt mir ihr Stil da eher. Darum wird es sicherlich ein Wiedersehen mit ihr geben.
Inhalt und Cover © Goodreads.com & Mira Taschenbuch

Kommentare:

  1. Die Autorin steht auch schon lange auf meiner Wunschliste - kaum beginnt sie mal wieder bei mir in Vergessenheit zu geraten, scheint mir die nächste gute Rezension über den Weg zu laufen... ;-) Aber irgendwie hat sie mich bisher noch nicht genug gereizt.
    Und ich glaube, das wird nach deiner Rezension auch vorerst mal so bleiben. Wenn es um Humor in Liebesromanen geht, bin ich total empfindlich - sobald ich das Gefühl habe, die Autorin nimmt ihre Figuren und deren Situation selbst nicht mehr ernst, bin ich ganz schnell total abgeschreckt!

    Liebe Grüße,
    Sarah

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich habe mir ja jetzt mehrere Rezensionen zu ihren anderen Büchern durch gelesen und vertraut man denen, dann ist dieses Buch hier wohl eines ihrer schwächeren. Ansonsten sind die Bewertungen um einiges besser, was mir wieder Mut macht für den nächsten Versuch ;)

      Leider habe ich bei diesem Verlag sowieso öfters das Gefühl, dass ich mit dem Stil der Übersetzungen nicht so gut zurecht komme...
      Liebe Grüße, Melanie

      Löschen
    2. Wenn, dann würde ich die Bücher auch nur im Original lesen. Schon allein, weil die Cover so grauenvoll sind!

      Löschen
  2. Mich wundert, dass du den Hund nicht erwähnst. Ich fand ihn furchtbar! :D Auch wenn ich es nicht so drastisch sehe, muss ich dir in fast allen Kritikpunkten zustimmen.

    Wenn du es noch einmal mit ihr probierst, würde ich dir ihre älteren Bücher empfehlen: "Fang des Tages" ("Catch of the Day"), "Das Gute liegt so nah..." ("Fools Rush In") oder "Mit Risiken und Nebenwirkungen" ("All I Ever Wanted"). Zu den ersten beiden genannten Büchern gibt es auch Rezensionen im Blog.

    "Zurückgeküsst" ("My One and Only") fand ich ziemlich blöd und "Meine Brüder, die Liebe und ich" ("Just one of the Guys") habe ich als einziges Buch von ihr noch nicht gelesen.

    Allerdings sind alle Bücher eher tempoarm und es gibt immer einige Nebenstränge, außerdem ist die Familie immer wichtig. Allerdings habe ich das Gefühl, dass die Familien früher liebenswerter wirkten und sie jetzt durch den Zwang zur Variation das nicht mehr so gut hinbekommt...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Stimmt ja, den gab es auch noch, aber im Vergleich zu all den anderen habe ich ihn dann gar nicht als so schlimm empfunden. Ein bisschen lästig und ungezogen, aber sonst ging es noch ;)

      Danke dir für die Tipps! Die werde ich dann beherzigen, wenn ich es mit ihr noch einmal probiere. Und dann auch auf jeden Fall auf das Original umsteigen, denn ich hatte schon öfters das Gefühl, dass ich mit den Übersetzungen vom Mira Verlag nicht ganz so gut zurecht komme. Und ich glaube Irina hatte mir damals auch Catch of the Day empfohlen, aber da müsste ich jetzt noch mal nachlesen.

      Und eine schöne Nebengeschichte rund um die Familie muss für mich gar nicht störend sein, aber hier waren mir fast alle so unsympathisch und diese Konflikte in ihren jeweiligen Beziehungen waren doch auch unnötig erzwungen ^^ und dann erst deren Auflösungen...

      Löschen