Review: Wie wir uns aus Versehen verliebten by Kristen Tracy

Freitag, 18. Juli 2014

Als Lucy die falsche Nummer wählt, landet sie ausgerechnet bei Highschoolflirt James Rusher in der Leitung. Auf Anhieb haben die beiden einen guten Draht zueinander: Was als Versehen begann, setzt sich mit Anrufen von früh bis spät fort. Im wirklichen Leben sind sich Lucy und James nie begegnet. Doch bald vertrauen sie sich Dinge an, die nicht einmal ihre engsten Freunde wissen. Als James endlich ein Treffen vorschlägt, willigt Lucy zögerlich ein – und dann versetzt James sie...“

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Ich wollte mir in diesem Sommer bewusst mehr Zeit für locker leichte Bücher nehmen, die vielleicht auch im Sommer spielen oder zumindest dieses Gefühl vermitteln. Zu Beginn kam mir noch der Vergleich mit Daniel Glattauer und „Gut gegen Nordwind“ auf – während dort die Kommunikation per Email im Vordergrund steht, sind es hier eben die Telefonate. Leider konnte sich der Vergleich nicht lange halten, denn „Wie wir uns aus Versehen verliebten“ konnte mich auf keiner Ebene erreichen. Ich kam weder den Charakteren näher, noch fand ich die Handlung an sich interessant. In den Grundzügen ist die Idee nicht schlecht, die Umsetzung war für mich nur oberflächlich gelungen. Mir fehlten die tieferen Einblicke in die Charaktere und ihre Gefühlswelt und obwohl man aufgrund des Stils schnell vorankommt, hat es mich nicht gefesselt.

Werfen wir noch einen genaueren Blick auf die einzelnen Aspekte. Das große Problem blieb für mich die Grundidee. So interessant es auch klingt, dass sie sich nur über diese Telefonate kennen lernen und miteinander kommunizieren, so viele Schwächen bietet diese Möglichkeit auch. Man erfährt kaum etwas über das Umfeld, nur wo sie sich grade aufhalten und auch von den Charakteren konnte ich mir kein Bild machen – weder optisch noch auf ihre Persönlichkeit bezogen. Mit den Informationen zu ihrer Vergangenheit, ihrem Alltag oder auch ihrem Gefühlsleben bleiben sie sparsam. Grade Letzteres fehlte mir sehr. Du weißt nie in welcher Stimmung sie sich befinden, denn während sie am Telefon etwas Bestimmtes sagen, hat man doch vom Klang der Unterhaltung her das Gefühl es würde in eine ganz andere Richtung gehen. Die tieferen Einblicke fehlten, auch bei ernsteren Themen. Diese werden zwar mal angesprochen, aber nie vertieft. Und dieses in den Raum werfen und dann ignorieren können die beiden wirklich gut. Ich für meinen Teil hatte bis zum Schluss keine gefühlsmäßige Bindung zu den Charakteren.

Stattdessen hatte ich den Eindruck die Charaktere wären unnötig aggressiv. So viel wie sie am Telefon diskutieren und bei dem was sie sich gegenseitig an den Kopf warfen fragte man sich schon, warum sie überhaupt miteinander telefonieren. Im Klappentext ist die Rede davon, dass sie sofort einen Draht zueinander haben, aber davon merkt man nichts. Vielmehr bedrängen sie den jeweils anderen und wollen Dinge erfahren, die derjenige offensichtlich (noch) nicht preisgeben möchte. Da laufen die Emotionen schon mal heiß und im nächsten Satz wirkt alles wieder ganz normal. Es gibt keine Sprechpausen, keine Momente des Schweigens, keine schönen Übergänge bei den Themen über die sie sprechen. Stattdessen ist alles aneinander gereiht – die Gefühle springen hin und her, bei den Themen ist es das Gleiche.

Genauso schwach fand ich die Hintergrundgeschichte und es passiert doch ewig nichts. Auch Lucys Verhalten war für mich nicht nachvollziehbar. Ihre Ausreden klangen schon während der Geschichte aus der Luft gegriffen, aber im Nachhinein betrachtet frage ich mich doch, was sie damit überhaupt erreichen wollte. Schließlich hat sie James beim ersten Mal nicht absichtlich angerufen, danach immer wieder zurück gewiesen und es war eindeutig James, der diese Freundschaft pflegen und weiter bringen wollte. Schlussendlich hatte diese Geschichte nicht viel von dem locker-leichten Sommerbuch, das ich mir erwartet hätte. Dafür hat es mich zu kalt gelassen und ein bleibender Eindruck fehlt auch. So interessant sich die Idee auch anhörte, es sollten wohl andere Autoren dabei bleiben, die es besser und auf einer anderen Gefühlsebene umsetzen können.

Kommentare:

  1. Ach, wie schade, dass das Buch so wenig überzeugen konnte. Dabei finde ich, dass gerade Telefonate so viele Möglichkeiten bieten würden!

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    1. Möglichkeiten ja, wenn da noch andere Aspekte dabei wären - so wusste man ja nie in welcher Stimmung sie sich grade befinden, was sie gemacht haben, wie sie auf bestimmte Dinge reagieren etc. Das Zwischenmenschliche fehlte mir hier komplett :(

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  2. Dabei tauscht man sich doch gerade am Telefon so schnell über so etwas aus, wenn man privat mit jemandem redet, mit dem man sich angefreundet hat/anfreunden will. Und eine Stimme kann am Telefon so verräterisch sein ...

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    1. Vielleicht wäre es als Hörbuch viel besser geworden und man hört da all diese Facetten raus? Ich glaube aber schon, dass das Konzept schwierig umzusetzen ist.

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  3. Mir gings da leider wie dir, es hat mir auch nicht gefallen. :)

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    1. Schade :( aber ich habe noch ein anderes Buch der Autorin hier, das werde ich demnächst probieren und ich hoffe, dass es mir besser gefällt.

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  4. Finde ich auch schade, Cover und Klappentext sind doch sehr vielversprechend.

    LG
    Sabine

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    1. Die hatten mich auch neugierig gemacht. Ich hoffe ja, dass mir ihr anderes Buch besser gefällt, wenn es 'normal' geschrieben ist und die Geschichte nicht nur über Telefonate erzählt wird.

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