Review: Die Magie der tausend Welten. Die Begabte by Trudi Canavan

Mittwoch, 26. November 2014


Der junge Archäologe Tyen entdeckt ein magisches Buch, in dem seit vielen Jahrhunderten das Bewusstsein einer Frau gefangen ist: Vella war einst eine talentierte Buchbinderin, bis ein mächtiger Magier sie mit einem Zauber belegte und dazu verfluchte, für alle Zeit das Wissen der Welt in sich aufzunehmen. Und so weiß Vella, dass Tyens Heimat und allen, die ihm am Herzen liegen, eine schreckliche Katastrophe droht. Allerdings kann sie Tyen nur helfen, wenn es ihm gelingt, den Fluch des Buches zu brechen. Und tatsächlich hat Tyen keinen dringlicheren Wunsch, als Vella zu befreien – der längst seine Liebe gehört.

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Zwei Welten, zwei Charaktere, zwei Schwerpunkte. In einer Welt herrschen Technik und Wissen vor, man ist bestrebt nach vorne zu kommen, sich zu entwickeln, Magie und Technik weiter zu vereinen. In der anderen Welt stehen Glaube und der Gedanke an das Leben nach dem Tod im Vordergrund. Engel spielen eine wichtige Rolle, genauso der Wunsch sein Leben nach den vorgegebenen Regeln zu leben um nach dem Tod ins Reich der Engel einzuziehen. Hätte ich letzteren Part aus dem Klappentext heraus lesen können, hätte ich etwas länger gezögert um das Buch zu lesen. Allerdings handelt es sich hier um Trudi Canavan und nachdem mir ihre Gilde der Schwarzen Magier Reihe so unglaublich gut gefallen hatte, musste ich einfach glauben, dass sie an diesen Erfolg anschließen kann. Dass ich zum Schluss froh war das Buch zuklappen zu können, spricht wohl nicht unbedingt für die Begeisterung, die ich mir erhofft habe.

Beim Klappentext muss man ein wenig aufpassen, schließlich stellt er nur eine Hälfte des Buches vor. Von Rielle und ihrer Geschichte ist hier gar nicht die Rede, obwohl sie auch sehr viel Platz einnimmt. Das hat mich erst gewundert und ich dachte, beide Welten wären verbunden und irgendwann würde sich der Weg der beiden kreuzen. Das mag vielleicht irgendwann in einem späteren Band der Fall sein, aber für den Moment haben wir zwei eigenständige Geschichten vor uns, deren Handlungen sich weder überschneiden, noch aufeinander auswirken. Die Weltanschauungen könnten nicht unterschiedlicher sein, obwohl die Grundsätze des World Buildings und der Magie ähnlich sind. Diese Gegensätze spiegeln sich genauso in den Charakteren wider, die als Gemeinsamkeit wohl nur haben, dass sie aus ihrem bekannten Leben ausbrechen bzw. herausgerissen werden.

Mit Tyen haben wir einen jungen und neugierigen Mann vor uns, der gerade erst begreift, dass die Welt so viel größer ist, als die Akademie sie lehrt. Seine Kräfte und Grenzen kann er gar nicht einschätzen, seine Neugierde ist aber schier grenzenlos und so macht er genau den richtigen Fund um seinen Wissensdurst zu füllen. Die angedeutete Liebesgeschichte darf man allerdings so nicht erwarten. Es entstehen zwar zarte Bande, aber schon aufgrund der Tatsache, dass Pergama/Vella ein Buch ist, sind ihnen Grenzen aufgesetzt. Diese Grenzen ihres Wesens beschreibt Pergama schon sehr früh, was den Wunsch nur verstärkt sie wieder als richtige Person zu sehen. Schnell wird klar, dass sich Tyen in Acht geben muss und sich für ihn alles ändern wird, wenn er Pergama nicht aufgeben möchte. Der Konflikt in dem er sich befindet, wird sehr gut beschrieben – er fühlt sich hin und her gerissen zwischen dem, was er in der Akademie gelernt hat und dem was die Welt bereit zu halten scheint, wenn er die Akademie hinter sich lässt. Das ist allerdings alles andere als einfach. In seinem Abenteuer wird er immer wieder von Charakteren begleitet, die auch nicht so ganz in die Gesellschaft zu passen scheinen, dafür aber umso besser zu Tyen.

Ich hätte so viel lieber mehr Zeit mit Tyen verbracht und ihn weiter begleitet, als dann mittendrin immer wieder zu Rielle zu springen. Ich bin ehrlich – ich fand ihre Passagen langweilig und uninteressant. Sie kann die Rückstände sehen, die zurückgelassen werden, wenn Magie verwendet wird, muss dieses Wissen aber geheim halten. Frauen haben in der Welt der Magie keine Zukunft, nur Männer können zu Priestern werden. Stattdessen träumt sie von der Liebe, möchte aber nicht in die Gesellschaft einheiraten, die ihre Eltern sich für sie vorstellen. Vielmehr fühlt sie sich zu einem Künstler hingezogen und fällt bald eine Entscheidung, die ihre Zukunft komplett auf den Kopf stellen wird. Religion und Glaube stehen so stark im Vordergrund, in das Magiesystem bekommen wir kaum einen Eindruck, was auch ihrer Rolle als Frau in dieser Welt zuzuschreiben ist. Ich habe mit passiven Heldinnen grundsätzlich meine Probleme, Rielle treibt es teilweise sogar auf die Spitze.

Trudi Canavan hat sich in „Die Begabte“ bemüht Gegensätze aufzuzeigen und zusammen zu führen, was in der Umsetzung aber zu wünschen übrig lässt. Es ist, als hätte sie zwei Geschichten gehabt, die in einer Welt mit Magie spielen und hätte sie in diesem Buch vereint. Nach Beenden des Buches würde ich sogar so weit gehen und sagen, dass es sich mehr wie eine Vorgeschichte anhört, als ein Reihenauftakt. Tyen und Rielle haben noch viel zu lernen, von ihren Fähigkeiten haben wir nur einen Bruchteil gesehen. Während Tyen immer mehr über seine Welt, die Vergangenheit und die Möglichkeiten der Magie lernt, will Rielle nur Wiedergutmachung leisten. Wenn ich ein Fantasybuch lese möchte ich in diese Welt hineingezogen und von all den neuen Aspekten überwältigt werden und nicht ein naives Mädchen wie Rielle begleiten.

So unterschiedlich wie die Charaktere war auch der Schreibstil. Spannend, rasant und auch mal actionreich bei Tyen. Ruhig, verträumt, nichts sagend bei Rielle. Während die Seiten mit Tyen nur so verflogen sind, bin ich bei Rielle kaum weitergekommen. Dementsprechend zwiegespalten bin ich, wenn es darum geht dieses Buch zu bewerten. Wäre es nur Tyen, könnte ich es sofort empfehlen. Rielle versetzt einem aber einen Dämpfer und wenn es nur sie geben würde, hätte ich das Buch wohl nicht mal beendet. Schlussendlich hat Trudi Canavan eine interessante und facettenreiche Welt erschaffen, in der mehrere Magiesysteme bestehen, sich aber nicht berühren. Bildgewaltig beschreibt sie ihre Welten und besonders bei Tyen hat man den Eindruck mit ihm gemeinsam durch die Lüfte zu fliegen und die Welt zu erkunden. Nur wegen ihm werde ich die Fortsetzung im Auge behalten und hoffe, dass seine Geschichte dann den größten Part einnimmt.

Kommentare:

  1. Ach man, ich finde es so schade das dir dass Buch nicht so gut gefallen hat und ich hab jetzt auch richtig Angst davor es selbst zu lesen.

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    1. Nein! Streich die Angst! Die Kapitel mit Tyen sind toll und die solltest du dir nicht entgehen lassen, egal aus welchem Grund.

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    2. Ja aber du hast gesagt auch bei ihm bekommt man nicht wirklich eine Liebesgeschichte und wenn ich das dann noch mit den langweiligen Passagen von der anderen kombiniere...... na ich weiß nicht.

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    3. Stimmt, mit der Liebesgeschichte schaut es allgemein nicht gut aus. Aber Fantasy lese ich persönlich nicht wegen der Liebesgeschichte - zwar fehlt sie mir schon, aber die anderen Aspekte finde ich wichtiger. Aber das muss man halt für sich abwägen.

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    4. Doch also bei mir ist Romantik auch bei High Fantasy wichtig. Da sogar noch mehr als sonst weils mir sonst schnell langweilig wird.

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  2. Uha. Ich hab das Buch auch hier liegen und meine Vorfreude hat nun auch einen kleinen Dämpfer^^ Aber wer weiß, ich schau mal was auf mich zukommt und hoffe, dass es mir etwas besser gefällt.

    Liebe Grüße,
    Tina

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    1. Ich wünschte, ich hätte Rielle mehr abgewinnen können, aber ich habe mit solch passiven Charakteren eh ein Problem. Vielleicht kommst du besser an sie ran und kannst ihre Geschichte mehr genießen. Wobei das natürlich nicht ausgleichen kann, dass es statt Spannung Gelaber über Religion gibt :P ach, es tut mir richtig Leid! Ich drück ganz fest die Daumen, dass es für dich Aspekte gibt, die das ausgleichen :)
      Liebe Grüße, Melli

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