Review: Ein Hinterwäldler zum Verlieben by Poppy J. Anderson

Samstag, 12. September 2015

©Goodreads

Review zu Band #1

„June badet in Selbstmitleid, als ausgerechnet sie dazu auserkoren wird, sich um ihre verrückte Großtante zu kümmern, die in der Einöde von Texas lebt und nach einem mehr als peinlichen Unfall Hilfe bei der Bewältigung ihres Alltags benötigt. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als in den sauren Apfel zu beißen und nach Hailsboro zu fahren, um dort die Kleinstadtlangeweile zu ertragen. Als wäre das nicht schlimm genug, fährt sie an ihrem ersten Tag einem dieser Hinterwäldler in den bereits zerbeulten Truck und erntet dabei die Aufmerksamkeit der ganzen Stadt.

Zu allem Unglück schleicht sich ausgerechnet dieser wortkarge Dorftrottel ständig in ihre Gedanken hinein, wenn sie ihrer Arbeit nachgeht. Da ist es kein Wunder, dass die Protagonisten ihrer schnulzigen Historiengeschichten frappierende Ähnlichkeiten mit dem Mann haben, der zwar kaum ein Wort über die Lippen bringt, aber verdammt gut küssen kann.

***

Manchmal hat man nicht viel Zeit oder befindet sich in einer Leseflaute, möchte aber unbedingt lesen. Oder man hatte einen schlechten Tag und braucht eine kleine Aufmunterung. Etwas fürs Herz. Ein kleines Happy End, das einem den Tag versüßt. Die Hailsboro Geschichten von Poppy J. Anderson sind für diese Gelegenheiten perfekt. Mit rund 130 Seiten haben sie genau die richtige Länge für Zwischendurch und jede dieser Seiten wird ideal genutzt. Es gibt keine unnötigen Dramen oder Missverständnisse, die sich erstmal in die Länge ziehen oder Charaktere sogar auseinander bringen. Stattdessen darf man sich auf sympathische und liebenswerte Charaktere freuen, auf die große Liebe, viel Gefühl und Wärme und auch auf einen humorvollen Unterton. 

„Großstadtpflanze trifft auf Hinterwäldler“ – auf den zweiten Blick treffen diese Beschreibungen auf die Charaktere zwar nicht so gut zu, aber trotzdem versprechen sie eine interessante Kombination. June ist weder schüchtern noch schweigsam. Weit gefehlt, denn sie redet bei jeder sich bietenden Gelegenheit und auch über alle möglichen Themen. Wird sie nervös, redet sie nur noch mehr, was sie mir sehr sympathisch machte. Auf den ersten Blick verbindet sie mit Wyatt nicht viel und trotzdem (oder gerade deshalb) fühlt sie sich zu ihm sehr hingezogen und sucht immer wieder seine Nähe. Wie auch er. Wyatt ist das komplette Gegenteil von June und er hat mir als Held ausgesprochen gut gefallen. Er wirkt mürrisch und ist wortkarg, beobachtet die Menschen um ihn herum, bleibt dabei aber nicht auf Distanz, sondern hat zu vielen von ihnen ein freundschaftliches Verhältnis. Er redet halt nur, wenn er was Wichtiges zu sagen hat und auch dann bringt er es mit wenigen Worten auf den Punkt. Man kann sich vorstellen, dass diese Art June regelrecht in den Wahnsinn treibt, weil sie jede Information aus ihm herauskitzeln muss. Auf der anderen Seite findet sie hier die Inspiration, die sie für ihre Bücher braucht und es ist nicht verwunderlich, wenn ihr Held immer mehr Ähnlichkeit zu Wyatt aufweist.

Nur wenige Autoren haben das benötigte Fingerspitzengefühl und Können um aus einer kürzeren Geschichte all das herauszuholen. Poppy J. Anderson gelingt es aber wunderbar und ich hoffe, es wird noch weitere Hailsboro Geschichten geben. Mit dieser Kleinstadt hat sie so einen gemütlichen Ort erschaffen, den man selbst gerne besuchen und seine Bewohner kennen lernen würde. Denn auch die Nebencharaktere fügen sich perfekt ein, sind nicht nur Beiwerk zur Geschichte, sondern tiefgründig, echt und erreichbar. Wer möchte, kann die Geschichten unabhängig voneinander lesen – das schmälert das Lesevergnügen keineswegs und trifft man auf bekannte Gesichter ist das das i-Tüpfelchen. 

Kommentare:

  1. Ich muss zugeben, dass mich der Klappentext wirklich abgeschreckt hat. Aber nachdem ich deine Meinung (vor allem die Stichworte "keine unnötigen Dramen oder Missverständnisse") gelesen habe, habe ich das Gefühl, ich sollte den Titel im Hinterkopf behalten für diese "ich brauche etwas Heile-Welt-Gefühl-Nachmittage". :)

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    1. *lach* man kann den Klappentext auch anders verstehen. Dabei führt er gar nicht so in die Irre, die Umsetzung finde ich wirklich gelungen. Und ich hoffe, das siehst du auch so, wenn dir danach ist ;)

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    2. Mal schauen! Irgendwann im Herbst habe ich bestimmt wieder das Bedürfnis nach solch einer Geschichte - und wenn ich dann nicht auf einen Reread zurückgreife, könnte es es sein, dass ich diese Autorin mal ausprobiere. :)

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