Review: Magic Shifts by Ilona Andrews

Sonntag, 6. September 2015


ACHTUNG - mögliche Spoiler zu Band 8 sowie den Vorgängern!

After breaking from life with the Pack, mercenary Kate Daniels and her mate - former Beast Lord Curran Lennart - are adjusting to a very different pace. While they’re thrilled to escape all the infighting, Curran misses the constant challenges of leading the shapeshifters.
So when the Pack offers him its stake in the Mercenary Guild, Curran seizes the opportunity - too bad the Guild wants nothing to do with him and Kate. Luckily, as a veteran merc, Kate can take over any of the Guild’s unfinished jobs in order to bring in money and build their reputation. But what Kate and Curran don’t realize is that the odd jobs they’ve been working are all connected.
An ancient enemy has arisen, and Kate and Curran are the only ones who can stop it - before it takes their city apart piece by piece…

***

Es fällt mir immer schwerer Fortsetzungen zu rezensieren ohne zu viel zu den Vorgängerbänden zu verraten. Ab einem bestimmten Punkt ist das einfach unvermeidlich. In diesem Fall möchte ich auf eine Rezension aber nicht verzichten, da für mich „Magic Shifts“ deutlich aus der Reihe fällt. Es ist der mittlerweile 8. Band in der Kate Daniels Reihe und wer hier mitliest, wird wissen, wie sehr ich diese Reihe liebe und dass sie für mich zu den besten Reihen, die dieses Genre zu bieten hat, zählt. Ilona Andrews hat eine fantastische und detailreiche Welt erschaffen und diese stetig erweitert und ausgebaut. Die Protagonisten sind stark, unabhängig, leicht arrogant und haben absolutes Kick Ass Potential. Hinzu kommen ein Hauch an Sarkasmus (oder etwas mehr) und eine direkte Art, für die man sie lieben muss. Also genau die Art an Charakteren, die ich liebe. Die Nebencharaktere sind ebenso sympathisch wie verrückt. Im Laufe der Reihe sind sie mir ans Herz gewachsen und ich freue mich über jede Szene, in der sie vorkommen. Eine weitere Gemeinsamkeit der Reihe sind die ausgefeilten Kampf- und Actionszenen, die gut durchdacht sind und die Spannung gekonnt nach oben treiben. In Kombination mit dem Magiesystem und den stets neuen mystischen Einflüssen, hat das Autorenduo hier eine grandiose Welt erschaffen. Aber wie gesagt fällt dieser achte Band für mich komplett aus der Reihe, weil er vielmehr als Filler wirkt, wie als eigenständiger Band. Die Gründe dafür möchte ich euch jetzt im Detail aufzeigen und obwohl ich mich bemüht habe nicht zu viel zu verraten, möchte ich an dieser Stelle deutlich sagen, dass ihr nur weiter lesen sollt, wenn ihr diesen 8. Band selbst schon gelesen habt oder es euch nichts ausmacht das ein oder andere Detail zu erfahren.

Beginnen möchte ich mit der Handlung von „Magic Shifts“, die vom Erzählstrang der Reihe komplett losgelöst ist. Plötzlich werden zwei Charaktere wichtig, über die man vorher kaum etwas gehört hatte bzw. die nur am Rande vorkamen. Einer davon war Eduardo. Ich musste erstmal nachdenken wohin er überhaupt gehört, welche Verbindung er zu Kate und Curran hat und warum sein Verschwinden so wichtig war. Der Part rund um ihn, seine Vergangenheit und seine Familie hatte mit den Ereignissen der vorherigen Bände nichts zu tun und wird wohl auch nicht weiter wichtig ist. All das, also genau genommen das ganze Buch, war nur nötig damit Kate an eine einzige Information kommt. Das hätte man doch sicher auch geschickter einarbeiten können.

Während sich nun alles auf diese Charaktere hier konzentriert, rücken die bereits lieb gewonnenen Nebencharaktere in den Hintergrund. Es ist kaum etwas zu sehen von Derek, Andrea, Jim, Saiman oder auch Ghastek. Ihre Namen werden hier und da eingeworfen und für einen kurzen Augenblick tauchen auch mal einer von ihnen auf, aber genauso schnell verschwinden sie auch wieder und haben für die eigentliche Handlung keine tragende Rolle. Das gilt übrigens auch für die Gegenseite. Man möchte doch meinen, dass jetzt endlich der Zeitpunkt gekommen wäre um die Beziehung zwischen Kate und R. näher zu betrachten und ihnen mehr gemeinsame Zeit zu schenken. Über mehrere Bände hinweg wurde auf das hingearbeitet, in Band 7 wurde ein Weg eingeschlagen, der so viel Potential hatte und in eine Richtung deutete, die man vorher in der Reihe nicht vermutete und in diesem 8. Band wird all das ignoriert. Die Interaktionen mit R. können eher als Infodumping gesehen werden und plötzlich wird wieder so ein aggressiver Ton von Kates Seite aus angeschlagen.

Und wo ich schon dabei bin den vorherigen Band anzusprechen. Sharrim war das große Thema dort und der Band endete mit einem richtigen Knall. Ich war so neugierig wie sich das auf Atlanta und die verschiedenen Gruppierungen auswirken würde, aber stattdessen wird auch dieser Part sträflich vernachlässigt. Oh, an einem Punkt wird angedeutet was dieses Ereignis für Kate bedeutet, aber die Autoren gehen nicht näher darauf ein. Darüber hinaus möchte man meinen, dass nun mehr geschieht nachdem das „Geheimnis“ nun gelüftet ist, aber auch das wird von den Autoren nicht angegriffen. Zeitweise könnte man fast schon meinen, wir wären auf den Stand vor Band 7 zurückgekehrt.

Ebenso viel Potential hatte die neue Situation mit Curran, Kate und dem Pack. Was würde das für alle Beteiligten bedeuten, wer würde sich Kate und Curran anschließen, wie würde sich ihr Leben nun gestalten, was wird aus dem Pack, welche Konsequenzen würden sich daraus ergeben? Diese und noch mehr Fragen hätten hier beantwortet werden können, aber stattdessen sehen wir so wenig vom Pack wie schon lange nicht mehr. Stattdessen konzentriert sich alles auf eine ganz andere Gruppe und obwohl ich verstehen kann, dass dieser hier eingeschlagene Weg wichtig werden wird, ist es nur ein weitere Punkt auf der To Do Liste der Vorbereitungen für das Finale.

Während Mythen und Legenden für die Reihe immer eine gewisse Rolle spielten, kann man es auch übertreiben wie sich hier zeigte. Informationen sollen gekonnt und nebenbei eingebracht werden, sie sollen die Handlung nicht zum Erliegen bringen und Spannung raus nehmen. Genau das geschah aber. Es gab seitenweise Informationen, viel zu viel und ohne offensichtlichen Zusammenhang zur Gesamthandlung. Diese Informationen waren nur für das Auffinden von Eduardo wichtig und sogar dafür war es viel zu viel. Das ging sogar so weit, dass zwischendurch direkt Langeweile aufkam. Es fällt mir schwer das einzugestehen, aber all das hat mich nicht interessiert und bei einem Reread würde ich diese Stelle sofort überblättern.

Nimmt man nun all das zusammen, kann ich mich nicht gegen den Eindruck wehren, dieser Band würde nur als Füller dienen um die Zeit bis zur Fortsetzung zu überbrücken. Es werden so viele Themen angesprochen, Handlungsstränge aufgenommen, die irgendwie doch wieder im Sand verlaufen, Personen hier und da erwähnt um sie ja in Erinnerung zu rufen, aber für nichts davon wird sich mehr Zeit genommen. Nichts davon scheint von Bedeutung zu sein. Zumindest nicht für diesen Band und das ist doch das Entscheidende – ein Band sollte auch dann noch funktionieren, wenn er für sich alleine steht und „Magic Shifts“ schafft das nicht.

Zum Abschluss dieser Rezension möchte ich euch noch zwei positive Aspekte nennen.  Es war sehr angenehm, dass es keine unnötigen und künstlichen Dramen zwischen Kate und Curran gab. Ihre Beziehung wächst stetig weiter und vertieft sich. Wir mussten lange warten bis sie ein Paar werden und ich bin froh, dass es hier keine Umstände gab, die sie unnötig voneinander getrennt hätten. Einige wichtige Dinge werden in Visionen gezeigt und lassen nun viele Vermutungen für den weiteren Verlauf der Reihe zu. Mit der Vertiefung einher geht auch der Aspekt der Erotik. Die Kate Daniels Reihe legte den Fokus nie auf die Liebe oder die Erotik und das hat sich zum Glück auch hier nicht geändert. Zwar waren die Erotikszenen hier ausgeprägter, es passte aber immer noch zur Geschichte und zu den Charakteren.

Von einem Punkt bin ich mir nicht sicher, ob ich ihn positiv oder negativ sehen soll. „Magic Shifts“ enthält wohl den bisher emotionalsten Moment der ganzen Reihe. Ich wusste gar nicht wie mir geschah, auf einmal schien alles einzubrechen und sich zu verändern. Ich habe geweint und es schnürte mir die Luft ab. Kate und insbesondere Curran so leiden zu sehen, tat furchtbar weh. Es zeigte eine ganz andere Seite an ihnen und ging mir sehr nahe. Aber ganz plötzlich war dieser Moment vorbei. Hatte ich mir das eingebildet? War es wirklich geschehen? Ja war es, aber es schien für diesen Band wieder nicht von Bedeutung zu sein. Ilona Andrews hat sich hier für einen Weg entschieden, den ich absolut nicht nachempfinden kann. Warum musste Kate dieses Opfer bringen? Wie wird es sich auf Curran auswirken? Dieser eine Moment hat so vieles verändert, er hat Kate und Curran an ihre Grenzen gebracht und sollte nun ohne direkte Folgen sein? Das war der Punkt an dem ich zornig wurde – es ist ja gut und schön, wenn man die Grundlagen für die weitere Handlung legen möchte, aber doch nicht so! Der ganze Band dient nur als Grundlage für das kommende Finale und die letzten Bände, hat aber ansonsten keine Aussagekraft.

Ihr dürft diese Rezension nicht missverstehen – ich habe hier vieles kritisiert und auch ein Gefühl von Enttäuschung vermittelt. Das ändert aber nichts daran, dass mir die Reihe ans Herz gewachsen ist und ich sie auch in Zukunft lesen werde. Jede Reihe hat ihre Höhen und Tiefen. Nur weil „Magic Shifts“ für mich zu letzteren zählt, heißt das nicht, dass ich die Reihe gleich aufgebe. Ebenso weiß ich, dass viele das anders sehen werden und diesen Band mehr genießen können, als es bei mir der Fall war. Also lasst euch davon nicht unterkriegen euch auf die Geschichte einzulassen oder der Reihe eine Chance zu geben. Immerhin hat „Magic Shifts“ von mir dennoch vier Sterne bekommen (wobei ich mittlerweile eher zu drei Sternen tendiere, nachträglich die Wertungen aber nicht ändere), aber man weiß halt, dass es so viel besser und mehr hätte sein können und dass die Autoren hier keine Bestleistung gezeigt haben.

Kommentare:

  1. Ich bin deiner Empfehlung gefolgt und habe nur die Einleitung und den letzten Absatz gelesen. Ich habe mich schon bei Band 7 gespoilert, das brauche ich für diesen Band nicht auch noch!

    Aber es ist wirklich schade, dass du in mancher Beziehung enttäuscht warst :/. Ich hoffe schwer, dass es mir nicht so gehen wird. In der Regel bin ich ja nicht allzu schwer zufrieden zu stellen, da bist du schon einiges kritischer. Also wage ich mal zu hoffen *lach*.
    Natürlich hat jede Reihe Hochs und Tiefs. Aber man erinnert sich eben leider auch an die Tiefs und die sind dann schon Kratzer im Gesamtbild... Hoffen wir auf ein neues Hoch in Band 9! :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es ist bei späteren Bänden leider oft schwer was man sagen kann und was schon zu viel ist, je nachdem wie weit jemand gelesen hat. Da bin ich lieber vorsichtig. Und wir reden sicherlich nochmal darüber, wenn du das Buch selbst gelesen hast ;)
      Und ich bin mittlerweile leider wirklich sehr kritisch geworden :( die Chancen stehen also ganz gut, dass es dir besser gefällt ;) wobei ich schon neugierig bin, ob das Grundgefühl bei dir das Gleiche sein wird.
      Grundsätzlich hat dieser Band für mich leider nicht so den Rereadwunsch geweckt...

      Löschen