[Talking about...] Review & Rating - damals und heute

Dienstag, 13. Oktober 2015

Jasmin von Colliding Worlds hat vorletzte Woche ein ganz interessantes Thema angesprochen, das mich über die letzten Jahre auch immer mal wieder beschäftigt hat - nämlich wie man Bücher bewertet, ob man die erste gewählte Bewertung "zerdenken" kann, wie man zu seinen früheren Ratings steht und ob man diese nachträglich noch ändert.

Ich für meinen Teil vergebe das Rating direkt nach dem Lesen. Es gibt kein längeres Überlegen, kein Abwägen der einzelnen Aspekte, kein "ich schlaf nochmal drüber". Denn schon während dem Lesen weiß ich in welche Richtung es gehen wird und passiert nicht etwas Gravierendes, ändert sich an diesem Eindruck nicht sehr viel. Schreibe ich dazu dann eine Review mache ich mir natürlich mehr Gedanken und überlege, ob die Bewertung auch gerechtfertigt ist bzw. wäge alle Punkte ab, die zu genau diesem Rating geführt haben. Positive Aspekte werden den Negativen gegenübergestellt und es beginnt der Feinschliff des Ratings. Bei manchen Büchern wird es schwierig, denn tatsächlich passen Rating und Review nicht immer ganz zusammen und vereinzelt kann es sein, dass ich das Rating tatsächlich neu anpassen muss. Das kommt aber sehr selten vor, vielmehr versuche ich in der Rezi zu begründen warum es trotz vieler Kritikpunkte eben doch diese Wertung wurde oder warum es mir schlussendlich nicht so gut gefallen hat, obwohl es doch all die Aspekte enthielt, die ich mochte.

Was aber passiert mit den Büchern, die man sich Jahre später erneut ansieht? Wenn man sich eventuell nicht länger in einer Ausprobierphase befindet und mittlerweile sehr genau weiß was einem gefällt und was nicht. Und man mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen kann, dass bestimmte Bücher beim erneuten Lesen nicht mehr das damalige Rating erreichen würden. Dann gibt es noch Bücher, über die man den Einstieg in ein neues Genre fand und die einem grundsätzlich zwar gefallen haben, aber nachdem man nun viel mehr aus diesem Genre kennt im Vergleich dazu eben doch schlechter abschneiden müssten. Jeder von uns wird solche Bücher im Regal haben, doch was machen wir tatsächlich mit der Wertung? Verändern wir sie nachträglich? Schreiben wir die Rezension um? Erklären wir die Bedenken, die wir nun haben?

Tatsache ist: ich entscheide aus dem Bauch heraus wie sich mein Leseeindruck in der Wertung ausdrückt. Vereinzelt kann sich dies im Zuge einer Rezension noch ändern, danach wird aber am Rating nichts mehr gemacht. So kommt es, dass bei Goodreads Dutzende Bücher bspw. mit einer 4 Sterne Wertung von mir drin sind, die ich heute höchstens noch mit 3 Sternen bewerten würde. Einerseits, weil sich mein Geschmack geändert hat, andererseits weil ich mittlerweile viel kritischer bin. Und auch weil ich Bücher viel öfters miteinander vergleiche und mich frage, ob Buch X diese Bewertung verdient hat, wenn mir Buch Y, das die gleiche Wertung erhielt, doch im Vergleich eindeutig besser gefallen hat. Früher standen 3 Sterne Wertungen für mich für schlechte Bücher bei denen ich viel kritisieren konnte. Heute sind 3 Sterne guter Durchschnitt für mich - nicht schlecht, aber eben auch nicht herausragend. Da sind trotzdem Bücher dabei, die ich empfehlen kann. Gefällt mir heute ein Buch gar nicht, so schrecke ich nicht davor zurück mal zwei oder sogar nur einen Stern zu vergeben.

Viel mehr Gedanken mache ich mir allerdings , wenn jemand ein Buch aufgrund meiner Empfehlung von früher oder meinem Rating von damals liest und hohe Erwartungen daran stellt. Nicht jedes gelesene und auch gut bewertete Buch von früher würde ich heute ebenso uneingeschränkt empfehlen. Mit ein bisschen Abstand und unzähligen anderen Büchern, die mir in diesem Genre bzw. zu diesem Thema eventuell besser gefallen haben, die ich aber erst später gelesen habe, sehe ich manche Bücher anders und will daher auch in niemanden falsche Erwartungen wecken und der-/diejenige ist dann enttäuscht obwohl sie mein Rating im Hinterkopf hat. Doch, wie soll man das vermeiden? Ein gutes Rating ist natürlich keine Garantie, dass das Buch auch allen anderen gefallen wird. Den Geschmack mancher Leser kann man aber sehr gut einschätzen und ich in manchen Fällen weiß ich genau, dass eine Leserin diesem Buch nie die gleiche Wertung geben wird und sie sich durch mein Rating mehr erwartet hat. Ist das der Fall, tut mir das immer furchtbar Leid, weil ich das Gefühl habe sie durch mein Rating enttäuscht zu haben.

Wie steht ihr zu diesem Thema? Wann und wie legt ihr euch auf das Rating fest? Und verändert ihr es nachträglich noch? Welche Gründe habt ihr dafür bzw. welche sprechen dagegen? Ich bin gespannt auf eure Meinungen dazu :)
Liebe Grüße, Melanie

Kommentare:

  1. Dass sich Beurteilungen im Laufe der Zeit ändern, finde ich vollkommen selbstverständlich. Der Geschmack ändert sich und je mehr man zu einem Genre liest, desto feiner kann man ein Buch beurteilen. Ein Roman, der mir mal gut gefallen hat, weil er damals innovativ war, hat inzwischen vielleicht Konkurrenz bekommen, weil andere Autoren die Idee aufgegriffen und deutlich besser und durchdachter verwertet haben. Ach, es gibt so viele Faktoren! Was auch der Grund dafür ist, warum es auf meinem Blog keine Bewertungen gibt. Ich finde es anstrengend und ich finde es schwierig unterschiedliche Bücher/Genres vergleichbar zu bewerten. Manchmal müsste ich ein Buch, das mir höllisch viel Spaß gemacht hat, verhältnismäßig schlecht bewerten, weil es objektiv gesehen Schwächen hat, ein anderes Buch müsste ich vielleicht mit einer hohen Wertung versehen, weil der Verstand nur Lob findet, obwohl der Bauch beim Lesen nicht dabei war. Also spar ich mir die Bewertungen, mache mir nicht die Mühe objektiv mit den Büchern auf meinem Blog umzugehen und denke nicht darüber nach, ob jemand sich für ein Buch interessiert, weil ich es besprochen habe. Jeder von uns folgt Empfehlungen auf eigene Gefahr. ;)

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    1. Das könnte ich eigentlich genauso unterschreiben!

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    2. Die Überlegung die Wertung einfach wegzulassen gefällt mir immer besser je länger ich darüber nachdenke. Oft fällt es mir schon schwer genug eine Wertung festzulegen und wie du sagst, manche Punkte würden für eine andere Wertung sprechen zu der man sich aber doch nicht gan überwinden kann. Und so ganz ohne Wertung spricht die Rezension für sich alleine.

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    3. "Und so ganz ohne Wertung spricht die Rezension für sich alleine."

      Jupp! Und es ist so viel stressfreier, weil man nicht das Gefühl hat, man müsse ständig vergleichen. :)

      Oh, und was das schlechte Gewissen angeht: Ich habe ja schon das eine oder andere Buch gelesen, das dich begeistert hat und das ich nur "ganz nett" fand. Aber bei so etwas fällt mir nur auf, dass wir häufig andere Schwerpunkte beim Lesen setzen - und da ich das grundsätzlich eigentlich weiß, liegt es doch in meiner "Verantwortung", ob ich mich von dir zum Antesten verlocken lasse oder nicht.

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    4. Und mir tat es in diesen Fällen Leid, dass du dich auf meine Wertung nicht "verlassen" konntest *hust*

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    5. So wie es mir leid tut, dass dich Seanan McGuire nicht so packen kann wie mich. So ist es einfach. :)

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  2. Ich mache mir da ehrlich gesagt nicht so viele Gedanken darum, weil ich davon ausgehe, dass jeder bei einer Buchanschaffung halbwegs seinen Verstand einsetzt und ja auch selbst einschätzen kann, ob es etwas für einen wäre und dass es ganz ratsam ist, mehrere Rezensionen zu lesen. Ich selbst lese zur besseren Einschätzung auch ein paar Rezensionen, die Entscheidung jedoch fälle ich ganz allein und mir wäre nie in den Sinn gekommen, bspw. eine Bloggerin zu beschuldigen, ich hätte wegen ihrer Rezension einen Fehlkauf gemacht. Schließlich gibt es ja genug Rezensionen, die Bücher top bewerten, die mich aber trotzdem nicht dazu bringen, das Buch zu kaufen. Ebenso, wie es Rezensionen gibt, die Bücher schlecht bewerten und ich kaufe sie trotzdem.

    Weil mir das Einteilen in Sterne (oder was auch immer) irgendwann zu schwer wurde, bin ich (wie ich bei Jasmin auch schon geschrieben habe und du wahrscheinlich schon gesehen hast) auf ein kleines Fazit umgestiegen, in dem ich das Buch empfehle oder eben nicht. Oder in dem ich versuche zu sagen, wer Freude daran hätte.

    Meine Meinung den Büchern gegenüber ist auch nicht immer festgefahren und wird sich auch mit der Zeit ändern oder hat sich geändert. Aber so ist das nunmal.

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    1. Ich würde ja auch nie einer Leserin/Bloggerin die "Schuld geben", wenn mir ein Buch nicht so gut gefällt wie ihr, aber umgekehrt habe ich doch ein schlechtes Gewissen, wenn jemand anderen ein Buch nicht gefällt, das ich zuvor empfohlen hatte ;) besonders, wenn man sonst einen ähnlichen Geschmack bei Büchern hat. Ist irgendwie zwar Unsinn, aber ich kann es nicht abschalten.

      Deinen Kommentar habe ich bei Jasmin schon gesehen und ich finde es spannend, dass du längst von einem genauen Rating abgekommen bist und dich für die Unterteilung "empfehlenswert" "nicht empfehlenswert" entschieden hast. So hast du auch viel Spielraum und kommst gar nicht erst in Versuchung Bücher untereinander zu viel zu vergleichen.

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  3. Bei mir ist das oft auch so... wenn ich Bewertungen von früher sehe, denke ich mir manchmal hmm...heute würde ich vielleicht aufgrund des Abstandes, den ich mittlerweile zum Buch habe oder nachträglichen Überlegungen, einen Stern weniger/mehr geben. Aber ich änder das nachträglich nicht mehr, denn das war meine damalige Bewertung und ich stehe dazu.

    Du hast vollkommen Recht, ich denke mir auch. Ich denke mir auch öfters, dass sich andere daran orientieren könnten und es ihnen vielleicht nicht gefallen könnte, aber so ist das Leben. Geschmäcker sind verschieden. Ich steh zu meinem :) Ich würde niemals jemanden aufgrund einer Empfehlung, die mir vielleicht nicht gefallen hat, jetzt anzugreifen. Ich habe auch Bücher, die mir sehr gut gefallen und anderen nicht so gut. Na und?

    Die Sache mit den drei Sternen stimmt auch - das ist für mich guter Durschnitt und bedeutet um Himmels Willen nicht, dass mir das Buch nicht gefallen hat und ich es nicht weiterempfehle. Es hatte nur nicht den richtigen Kick oder das Außergewöhnliche wie andere Lieblingsbücher. Generell bin ich ein Mensch, der eher gute (4*) Bewertungen gibt. Das liegt daran, dass ich beim Lesen relativ leicht zufriedenzustellen bin. Hin und wieder denke ich mir dann auch, ich kann ja nicht immer dieselbe Bewertung geben, aber wenn mir die Geschichte so gut gefällt, dann ist das so :D

    Liebe Grüße, Doris

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    1. Da kann ich dir voll und ganz zustimmen - ich würde auch niemanden angreifen, weil wir unterschiedliche Meinungen zu einem Buch haben. Wie oben schon gesagt wurde, trifft man die Entscheidung es zu lesen ja selbst und hat sich vorher im Idealfall seine Gedanken dazu gemacht. Nur umgekehrt tut es mir immer so Leid, wenn jemand ein Buch nicht mochte, das mir gut gefiel und er sich mehr davon erhofft hatte, weil wir sonst einen ähnlichen Geschmack haben. Nicht, dass ich an deren Eindruck etwas ändern könnte, aber ich werde bei Empfehlungen dann immer vorsichtiger.

      Es spricht doch nichts dagegen leichter zufrieden zu stellen zu sein. Aus welchem Grund liest man - um eine schöne Zeit zu haben oder um zu meckern? ;) du weißt gute Geschichten einfach viel mehr zu schätzen und ärgerst dich nicht ewig über Kleinigkeiten und bauscht sie so sehr auf, dass du das Buch gar nicht mehr magst.
      Liebe Grüße, Melli

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  4. Mein persönliches Rating für ein Buch steht eigentlich auch ziemlich schnell bei Lesen fest, in seltenen Fällen kann es Autoren gelingen mit ihrem Ende das noch oben oder unten zu verschieben (in selteneren gar drastisch). Im großen und ganzen bemühe ich mich nicht um Objektivität, mein Rating soll meine Leseerfahrung wiederspiegeln und nicht irgendwelche "meßbaren" Qualitäten.

    Es gibt so einige Bücher die ich im Rückblick aus meiner jetzigen Warte heraus anders bewerten würde aus, weil sie mich aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr gleichermaßen unterhalten könnten, King zum Beispiel hat auf mein jugendliches Selbst einen anderen Eindruck gemacht als auf mein älteres Ich.

    Wie auch immer, ich konzentriere mich beim Bewerten von Büchern die ich wieder Lese lieber auf die welche mich auch nach Jahren noch unterhalten können, sei es auf die selbe Art oder Aufgrund meiner veränderten Sichtweise.

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    1. Aus diesem Grund traue ich mich bei manchen Büchern gar nicht nach Jahren einen Reread zu starten, eben weil ich mir diesen positiven Eindruck von früher behalten möchte. Man hat es ja im Gefühl in welche Richtung es gehen könnte und da will ich oft nichts riskieren ;)

      Ansonsten finde ich deine Einstellung dazu herrlich entspannend - du machst dir da absolut keinen Stress.

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  5. Ich bewerte eigentlich immer spontan und aus dem Bauch heraus, auch wenn das in vereinzelten Fällen nicht ganz zur Rezension passt, weil ich einfach nicht genau begründen kann, wieso ein Buch jetzt keine Bestwertung von mir bekommt, obwohl ich nichts negatives nennen kann.
    Die Bewertung verändert habe ich tatsächlich schon, allerdings nicht auf dem Blog, sondern nur auf Goodreads. Vor 4-5 Jahren war mein Lesegeschmack einfach total anders und bei Büchern, die damals von mir 5 Sterne bekommen haben, denke ich mir heute nur "wie um alles in der Welt konntest du das gut finden?", sodass ich dann nicht möchte, dass die auf der Seite weiter als meine Lieblingsbücher angezeigt werden.
    Auf dem Blog mache ich das nicht, weil ich dafür ja die gesamte Rezension neu schreiben müsste. Wenn es aber schon so lange her ist, dass ich ein Buch gelesen habe, dann weiß ich längst nicht mehr genug, um das zu machen, deshalb muss es einfach so bleiben. Eine Ausnahme ist, wenn ich ein Buch noch mal lese, dann gibt es manchmal eine aktualisierte Rezension, wenn sich meine Meinung geändert hat.
    Liebe Grüße!

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    1. Bei diesen Büchern lasse ich einen Leseeindruck oft weg, wenn ich nicht genau sagen kann warum es eben nicht für die Bestwertung gereicht hat. Es gibt halt diese Bücher, bei denen irgendetwas nicht passt, aber man kann nicht den Finger drauf legen.

      Ich sehe schon, du hast ähnliche Gründe wie sie auch Jasmin nannte, wenn es darum geht die Wertung zu ändern und wo. Auf Goodreads ist das für mich auch unkomplizierter, im Blog selbst dagegen mit viel Aufwand verbunden und da mal eben eine Wertung zu ändern kann schon in viel Arbeit ausarten.
      Liebe Grüße, Melanie

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  6. Bei mir ändert sich oft auch im Laufe der Zeit der Blick auf das Buch und ich würde es später anders bewerten. Das ist mit ein Grund, weshalb ich dieses Jahr irgendwann die Sternchenwertung bei mir abgeschafft habe. Denn auch wenn meine Bewertung sich oft im Laufe der Zeit ändert, ändern sich die tatsächlichen Kritikpunkte eher selten - das macht die eigentliche Rezension gewissermaßen zeitloser.

    Da ich meine Bücher privat aber mit der "Bookpedia" verwalte und darin weiterhin Sternchen vergebe, kommt es vor, dass ich dort auch wirklich später nochmal die Wertung ändere. Da das nur für mich ist, kann ich ja auch gut im Nachhinein soviel herumändern, wie ich will. Auf dem Blog hätte ich das nicht machen wollen.

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    1. Ah, die Nächste, die auf Bewertungen im Blog verzichtet. Das war mir ehrlich gesagt noch gar nicht so aufgefallen. Aber es scheint die logische Entwicklung zu sein, wenn es sonst zu schwer wird sich so genau festzulegen. Und du hast ja Recht, an den eigentlichen Kritikpunkten ändert sich ja nichts.

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